Freitag, 19. Dezember 2014

Bildbearbeitung (52)

rew jeans hintern    Mies Vandenbergh Fotografie
Mies-Vandenbergh-Fotografie
Welches veröffentlichte Foto ist heutzutage unbearbeitet? Keines, richtig! Was zu analogen Zeiten noch die Dauer der einzelnen Tauchbäder des Filmstreifens in mehr oder weniger säure- oder basehaltigen Chemikalien und die Behandlung des belichteten Fotopapieres ausmachte oder was der Fotograf mit der Wahl des Filmes und der Wahl der Din/ASA Zahl beeinflussen konnte, das kann in den heutigen Zeiten jedes noch so einfache Bildbearbeitungsprogramm leisten. Ob Fluch oder Segen, zu solch einer pauschalen Fragestellung lässt sich bei ernsthafter Bewertung kein eindeutiges Urteil abgeben. Da hier ein "Sowohl" wie "Alsauch" zutreffend ist, möchte ich auf beides eingehen.
Was früher Maler wie Roger Dean oder Rodney Matthews in ihren fast realistischen aber dennoch surrealistischen Bildern auf eindrucksvolle Weise zu Papier brachten, das ist heute mit zugegebenermaßen ausgezeichneten Kenntnissen der Software vielen Menschen möglich. Als Beispiel eines wahren Künstlers auf dem Gebiet möchte ich hier Uli Staiger. nennen. Seine Fotocollagen erinnern mich etwas an die Gemälde von Dali oder Magritte. Sicher eine ganz andere Art der Kunst, aber insofern im gleichen Atemzug zu nennen, als das Produkt ihres Schaffens den Geist und die Phantasie des Betrachters auf eine phantastische Reise mit nimmt. Bei meinem Besuch des Dali-Museums in Figueres im letzten Jahr habe ich es in geballter Form staunend erleben dürfen, und ich habe für mich festgestellt, dass diese surrealistische Darstellungsweise meine gewohnte Sichtweise der Dinge auf eine sehr angenehme Weise in Frage gestellt hat. Durch die intensive Auseinandersetzung mit seinen ausgetellten Werken kam ich zu der Fragestellung, wie weit unsere Sicht auf die Alltäglichkeiten mit einer mangelden Wahrnehmungsfähigkeit einhergeht. Blind geworden für die Schönheiten des Lebens durch schreiende Bilderfluten an allen Ecken und Wegen ist unser Geist vielleicht überfordert abgestumpft. Mit einer stoischen Selbstverständlichkeit laufen wir im Tunnelblick durch unseren Aufenthalt auf dieser Erde.
Für uns Fotografiebegeisterte könnte die Auflösung dieses Dilemmas eine ungeahnte Schaffenskraft bezüglich der Aussagekraft unserer Fotos erwirken. Nicht die Bildbearbeitung, um den Bogen wieder zurück zu führen, soll die Bildaussage erzeugen, finde ich, sondern der Grundgedanke des Fotos ist entscheidend, und zwar im Moment der Aufnahme des Motives.
Bei weitem nicht so offensichtlich aber exzessiv findet die Bildbearbeitung in der Werbeindustrie statt. Retouchieren ist dort, wie jeder weiß, der Regelfall. Ob es sich um Food handelt oder um Menschen, es wird am Rechner alles "ein wenig" verschönert. Ob diese Makellosigkeit einen positiven Einfluss auf uns ausübt, daran habe ich ernsthafte Zweifel. Ist im realen Leben um uns herum doch auch nicht alles so perfekt.
Auf der anderen Seite freue ich mich, wenn ich ein nicht ganz richtig belichtetes Bild am Rechner noch so bearbeiten kann, dass es wieder halbwegs richtig belichtet aussieht. Genauso freue ich mich, dass ich stürzende Linien korregieren kann und rote Augen nur noch eines Klicks bedürfen, um sie in glänzende braune Augen mit einem Spitzlicht darin für die Lebendigkeit zu verwandeln. Sollte es also eine gute Seite der Bildbearbeitung geben und eine schlechte? Und wer würde festlegen, wo die Grenze oder die Grauzone zwischen beiden läge?
Der gesunde Menschenverstand wird vermutlich landläufig zur Meinung tendieren, dass ein wenig unauffällige Bearbeitung schon in Ordnung wären. So zumindest die Antworten einiger zehn Befragten. Doch ich selbst habe ernstliche Probleme bei der Umschreibung von "ein wenig". Versteht jeder gleich viel unter "ein wenig"? Nein! Was spräche dagegen, etwas mehr zu bearbeiten, wenn man nicht sowieso nur "out of the cam" (unbearbeitet) gelten ließe. Kann ich nicht den Hintern etwas kleiner machen, dafür den Busen etwas größer und die Nase gerader richten? Den Apfel noch ein bischen roter und die Wiese etwas saftiger? Ist doch nur ein Foto, oder?
Was spräche dagegen? Der Wirklichkeit die Farben "wiedergeben", die der Bearbeiter an seinem unkalibrierten Bildschirm als zuteffender beurteilt. Warum nicht, wenn wir Menschen unser ganzes Leben lang der Schönheit nachstreben. "Ach sieh mal, wie schön der/die/das [Himmel/Sonnenuntergang/Vogel/Gesicht/Gebäude/Blume/Frau/Mann/Berg/…] ist!" Entzückt von der Schönheit der "Dinge" blicken wir auf, freuen uns, behalten es sogar für einen Moment länger im Gedächtnis, als das Gewohnte, das Normale. Kehrt sich das doch erst wieder ab einem größeren Ausschlag des Pendels zur Hässlichkeit um. Warum also nicht ein zwar bearbeitetes aber dadurch auch "schöneres" Bild präsentieren? Was wäre, wenn wir ein "nur" unbearbeitetes Foto dem gegenüberstellten?
Diese Frage wird in jeder Sekunde von Millionen von Hobbyfotografen oder Berufsfotografen mit einem "Nein" beantwortet. Es ist meist so, dass die Wenigsten (mich inbegriffen) bei der Aufnahme die gestalterischen und technischen Überlegungen VORHER durchdenken(können) und diese anwenden(können), und zwar so, dass eine Bildbearbeitung unnötig oder sogar kontraproduktiv wäre. Ausgenommen sind davon natürlich die o.g. Künstler, deren Bilder ja erst durch die Bildbearbeitung entstanden.
Mein Fazit ist, dass die reine Möglichkeiten der Manipulation schon deren Einsatz am Bilde zum uneingeschränkten Standard macht. "Es gibt die Programme, also verwende ich es! Somit gilt der Spruch: "Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!" adäquat für alle Fotos. Wie gehen wir damit um? Wir leben im Zeitalter der Aufklärung, in dem wir ob der unermesslichen Informationsflut immer unaufgeklärter werden und nur durch einen geeigneten Filter der für uns relevanten Infos habhaft werden können. Wissen wir also um die Möglichkeiten der Bildmanipulation und sehen etwas genauer hin, so erkennen wir vielleicht eher die Botschaft des Bildes im Rahmen unserer gemeinsamen Wirklichkeit.
P.S. Hier noch eine unvollständige Liste der Tatwerkzeuge:
· Gimp                                kostenlos
· Photoshop                       950,- €
· CaptureOnePro               229,-€
· Lightroom                       135,- €
· UfRaw                              kostenlos
· CameraRaw                     in Photoshop
· Silky Pix                           219,- €
· DXO Optics                     299,- € / 149,- €
· ACDSeePro                      40,- €
· CorelDraw                       630,-€
· Raw Therapee                 kostenlos
· CaptureNX2                    179,- €
· Aperture 3                        70,- €
· Digital Photo Pro            kostenlos
· HeliconFilter                   63,- €
· Photoshop Elements      100,- €

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Vergänglichkeit der Hintern (51)

kio jeans hintern   Mies Vandenbergh Fotografie
Mies-Vandenbergh-Fotografie
Das Foto eines wohlgeformten Hinterns. Es befindet sich vor mir, ich sehe es an und denke:
Ein schöner Hintern! Ein gelungenes Foto! Im rechten Augenblick hat jemand auf den Auslöser gedrückt, nachdem er das Motiv entdeckte. Die Technik ließ ihn nicht im Stich, das Licht war richtig und die Einstellungen an der Kamera, für die - sie oder er - sich weit vor diesem Augenblick entschied, waren richtig gewählt. Der Focus hatte das Motiv ebenso korrekt erfasst, wie die Blende genau die richtige Menge Licht durchließ. Da ist es also, das Bild. Das Bild eines schönen Popos. Der ist also auch da gewesen. Dieser Hintern wurde für das Bild ( und zwar das auf dem Sensor genau so, wie jenes, das in den Köpfen der Betrachterin oder des Betrachters entsteht) in eine ihn gut in Szene setzende Kleidung gesteckt. Er soll schön aussehen, was ja ob des Fotos auch hinlänglich gelungen ist.
Da ist es also, das Bild eines wohlgeformten Hinterns. Und der Hintern selbst - mit einem Rest von Mensch daran. So meint der Hintern. Doch er, der für die Aufnahme so toll hergerichtet, der in eine für den Rest des Menschen besonders unbequeme, weil enge Jeans gezwängt wurde, der sogar vollendet in der Form seiner Pobacken noch den String, wenn überhaupt, darunter trägt, was meint er zu sein, zu sein während des Restes der Stunden, in denen er immer wieder gerne angeschaut wird?
Mehr noch, welche Bedeutung hat er im Verlauf der Zeit, in der Spanne seiner Existenz? Ist der Rest des Körpers noch jung, so ist auch er jung, altert der Rest des Körpers, so macht er was? Schön aussehen, straff bleiben und immer schön knackig und fest? Mitnichten! Auch er kriecht zu Kreuze dem Diktat der Schwerkraft, so, wie der an ihm hängende Rest ebenfalls nicht entkommt. Irgendwann sogar wird er zu Staube und von Form kann wahrlich nicht mehr die Rede sein.
Also wird es kommen, und die Zeit wird ihre Botschaften überbringen, ob wir sie verstehen wollen oder nicht. Die Sache ist entstanden, irgendwann, und demgemäß wird sie vergehen. Was bleibt, das ist die Idee, und nur dann mehr als eine Idee der Schönheit wie der der Mona Lisa, deren Züge sicher schon vergessen, wäre nicht damals ein Hinseher gewesen, der die Zauberhaftigkeit des Wesens allein für sich dazu brachte, ein Bildnis von ihr zu kreieren. So können wir uns heute noch darüber streiten, ob sie denn Schönheit ausdrückt oder nicht, ihr Bildnis jedenfalls sorgt für mehr als nur Idee, ihr Antlitz sorgt für jeden Menschen in seinem ganz persönlichen Licht, zu sagen, ob wir einstimmen in die Begeisterung des Leonardo.
So ist denn Abbildung ein Zeugnis des Augenblickes. Wie schon nur wenige Wochen später sich die Linien verändern können, das weiß jeder selbst zu bezeugen. Nicht, dass es so ist, beschreibe ich mit Bildern, nur entgegen der Vergänglichkeit ist mir an dem Bild des Augenblicks gelegen, welches ich festhalte als Zeugnis dafür, dass der Abgelichtete wirklich einst so aussah. In der Erbaulichkeit über das Aussehen, welches uns Menschen stets so beeindruckt, zeige ich, bevor sich auflöst in das Meer der Überformen die vollendete Linie.
Mit der definitiv unwichtigen, belanglosen und bedeutungslosen Darstellung von Hintern setze ich ein Zeichen der Schönheit der Gesäße und jeder mag hinsehen, dem es gefällt. Bevor diese ihre Form des Augenblickes für immer verändern - was dem Menschen als solchen nie abträglich ist, weder dem Charakter noch dem Herzen - nur den Augen des Gerneansehers der Gesäße trägt es zu, zu sehen und sich daran zu erfreuen, so wie es immer schon dem Schöngeiste daran gelegen war, Schönes anzusehen. Gleich dabei, ob es die Moleküle zu einem Tier, zu einer Blüte, zu einem Sonnenuntergang oder zu einem Gesicht gebracht haben. Für den Fotografen ist sein Motiv der ultimative Moment der Dokumentation, es abzulichten, bevor es abgetaucht ist in den Blättern des Eisenholzbaumes oder sonstwo hin. Bevor es seine Gestalt verändert soll es abgebildet sein, dem Lauf der Zeit entnommen für das Foto des Augenblickes.
Wie die Vergänglichkeit des Augenblickes wird zwar auch das Bild vergehen, so ist es nur eine kleine Verlängerung dieses Augenblicks, den der Fotograf für sich entdeckt und anderen Besuchern seiner Bilder vorstellen kann. Der Besucher dieser Austellung sieht hin, zu dem, was so in dieser Weise nicht alltäglich zu sein scheint und doch ist. Werden Bilder nicht entfremdet durch die unendlichen Möglichkeiten der Bildbearbeitungssoftware, so zeigen sie die Realität, welche vielleicht nur aus einem nicht alltäglichen Blickwinkel betrachtet ist, doch letztendlich nichts anderes, als was schon da ist!

Montag, 15. Dezember 2014

Motivfinder (50)

sho jeans  hintern    Mies Vandenbergh Fotografie
Mies-Vandenbergh-Fotografie
Auf der Suche nach dem Motiv
Fotografierend durch die Welt gehen, nach links und nach rechts schauend, abseits der ausgetretenen Pfade, immer neue Motive vor den Augen. Die Kamera tief hängend wie einst die Westernhelden ihre Colts, immer bereit für das nächste Duell zwischen der Technik, dem Fotografen und dem Motiv. Kaum Augen für die restliche Umwelt schleichend auf der Hatz nach dem nächsten Job, das Licht immer im Auge und den Stand der Sonne stets im Hinterkopf. Vorbereitet sein auf die nächste Szene, das Haus, die Türe, das Tier, den Berg, den Menschen oder die Blume. Im Geiste die Ausrüstung durchgehend, wissend um die lichtstarken Wechselobjektive und grauen Filter in der entsprechenden Tasche griffbereit für den Fall aller Fälle.
Dann ist er da, der Wimpernschlag des Augenblickes, der Moment des neuesten, ultimativen Schnappschusses, unsere Spannung ist durch eine Ausschüttung puren Adrenalins auf dem Höhepunkt angekommen und drückt sich aus in einer Ruhe, die selbst einen Stoiker hektisch aufblicken ließe, wir zielen mit der Kamera wie der sprungbereite Hauskater vor der mit Kaninchenfell bezogenen Quitschemaus auf das Motiv, wie in Beton gegossen eins geworden mit der Kamera, alle Einstellungen wie im Schlaf beherrschend den Bildauschnitt wie in weiser Voraussicht bewußt erkennend drücken wir auf den Auslöser.
Wie er so ist, der "Homo fotograficus", die Wirklichkeit mit seinem Blick einfrierend, das "Hier und Jetzt" durchdringend mit der analytischen Gewandtheit des Lichtbildners die Szenerie vorauszuahnen und die Geschichte schon in dem Moment geschrieben, noch ehe sie entstand.

Samstag, 13. Dezember 2014

Körperformen - Teil 2 (49)

tr jeans hintern   Mies-Vandenbergh-Fotografie
Mies-Vandenbergh-Fotografie
   Nun zum zweiten Teil der Betrachtung der Schönheitsideale. Wenn man die Entwicklung der Körperformen im Laufe der Jahrhunderte so betrachtet, dann wird einem deutlich, dass diese heutige schlanke Körperlinie noch nicht lange in der Form existiert. Nicht, dass es nicht auch immer schon schlanke Menschen gegeben hätte, nur die momentane Fixierung der Gesellschaft auf die Schlankheit ist ein besonderes Phänomen. Schönheitsideale wechselten also immer wieder mal und wurden von den Menschen in Ihrer Gesellschaft selber geprägt. Das geschah natürlich subjektiv, aber immer unter dem Einfluss der Einstellungen jener Gemeinschaft, in der sich der Mensch befand. Im Moment werden wir von allen Seiten nur von schlanken Gestalten bombardiert und die üppige, mollige Form ist -offiziell zumindest- verpönt. Über die Macht der Bilder schrieb ich schon. Das schlanke Ideal ist allgegenwärtig, für Frauen jenseits der Kleidergröße 38 ist wenig Raum. So könnte man meinen.
   Interessant auf diesem Wege ist die Überlegung, ob die Zusammenhänge von Darstellungen in der Kunst, wie ich sie im vorangegangenen Artikel aufgezeigt habe, und tatsächlicher Körperform, auch zu den entsprechenden Zeiten so "verfälscht" dargestellt wurde!
   Wenn ich die heutigen Abbildungen von Frauen genau so als Grundlage meiner Betrachtung nehme, wie ich die Kunstwerke der jeweiligen Epochen zu Grunde legte, so könnte ich zum Schluss kommen, die Bevölkerung der westlichen Zivilisation heute wäre –gemäß den Bildern – in der Mehrzahl schlank und Daniela Pestova ähnlich. Nähme ich an, dass die Bilder der jeweiligen Epochen so wenig wie heute die tatsächlichen Formen der Körper wiedergäben, so würde sich das Bild jenseits der Kunst in völlig anderem Lichte darstellen.
   Wie ergeht es denn den Menschen in der heutigen Zeit mit ihrem Schlankheitsideal?
Laut einer Studie der International Association for the Study of Obesity (IASO) leben in Deutschland die molligsten Menschen im Vergleich zur Rest-EU. Gleich welche Meßmethode verwandt wurde, hier zählt dazu erst mal nur der Vergleich der Daten untereinander.
   Es gibt einige Studien zur Körperlichkeit in Europa, Fakt ist nach deren Durchsicht, dass die zunehmende Fettleibigkeit noch immer nicht gestoppt werden konnte. Allein die Zahl der Übergewichtigen scheint laut Robert Koch-Institut leicht Rückläufig zu sein. (Siehe hier)
   Wie passt das nun zu unserem Schlankheitsideal? Und wie war es zu Zeiten von Hieronymus Bosch oder Rembrandt Haarmenszoon van Rijn? Waren damals die Menschen alle mollig oder konnten sie kaum das Schönheitsideal erreichen, weil die Mehrzahl der Bevölkerung in der damaligen Zeit niemals wusste, woher die nächste Mahlzeit kommen sollte. Wieder zurück zum heutigen Tage. Was beschert uns das Leben im Überfluss, in dem allein die Deutschen jedes Jahr 11 Millionen Tonnen Lebensmittel wegschmeißen. Einerseits laufen wir einem schlanken Körper hinterher, auf der anderen Seite lassen wir uns gerne zu einem ausgiebigen Konsum verführen. Das nur nebenbei. Weiter zu den Diskrepanzen zwischen Ideal und Wirklichkeit. Was könne wir tun, um diesem Nachlaufen nach scheinbar durch uns selbst erschaffene Vorgaben zu entkommen? In einem Buch las ich neulich den Satz, dass nicht die Kosmetikindustrie für ihren Milliardenumsatz verantwortlich sei, sondern der Konsument. Der Konsument wiederum versuche nur einem Bild gerecht zu werden, dass in der Öffentlichekeit als DAS erstrebsame Äußere proklamiert worden ist. Dies allerdings von sich selbst, so die Autorin. Wo setzen wir den Hebel an, um einen scheinbar fiktiven niemals endenden Kreislauf zu durchbrechen? Liegt es, wie die Autorin weiter meint, in der Verantwortung der Eltern, die Kinder nicht mehr nur noch nach der Devise:"Mädchen=hübsch, Junge=stark" zu erziehen, oder gibt es noch mehr Ansätze? Was wollen wir also?
   Hier gehe ich wieder von meinem Umfeld aus. "ES" will gesund sein, nicht dick, nicht dünn. Sollte die Aufklärung schon angekommen sein, den Menschen nicht nur so zu nehmen, wie er ist, sonder vorzuleben, dass gemäßtige Lebensweise in ALLEN Belangen der richtige Weg sein könnte? Das wäre nur reine Spekulation! Und eigentlich nicht Thema meines Blogs.

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Körperformen in der Kunst(geschichte) (48)

modo jeans hintern   Mies-Vandenbergh-Fotografie
Mies-Vandenbergh-Fotografie
Syssiphus lässt grüßen
Die Schönheit lässt mich mal wieder zum Stifte greifen. Ja Stifte, denn einen Teil der Texte kann ich mit meinem "Pen" ins "Note" eingeben. Geht ganz gut. Doch zum Eigentlichen: Schönheit war in meinen letzten Schriften ein wesentliches Thema. Über den Inhalt der Bücher, die ich darüber gelesen habe und lese, habe ich mit einigen Menschen eine rege Disskussion beginnen können. Deren Verlauf möchte ich hier gerne in Teilen wiedergeben. Der Sinn und Zweck dahinter liegt in meinem grundsätzlichen "Hinterfangen", die ehrenwerte Gesellschaft heimlich immer wieder in Frage zu stellen und Unruhe in Form von Gedankenspielen zu stiften. Der gesellschaftskritische Leser mag also gespannt weiterlesen, der interessierte Leser kann sich aufrütteln lassen.
"Schönheit ist relativ". Sagt wer? "Man"! (mit einem "m") Die Gesellschaft ist "man". Also wir alle? NEIN! Dazu komme ich gleich. Welche Kräfte sind es denn, die feststellen, dass Schönheit relativ ist? Du? Ich? Die Medien? Die Trendsetter der Zeitschriften und Magazine, die Anbieter der Konsumgüter oder die Kunden der Werbeargenturen, die sich nur nach ihrer Zielgruppe, also uns, richten. Spielen die (nicht mehr ganz so) neuen Medien eine Rolle bei der Festlegung des Schönheitsmaßstabes?
Über den Einfluss der Bilderflut von manipulierten Fotos in allen Medien habe ich schon vorher spekuliert, wie diese uns selber manipulieren ebenfalls. Worum geht es also jetzt? Ich stelle die Frage nach den Trendsettern! Wer genau diktiert zum Beispiel, dass nahe der Magersucht stehende, knapp über 14 Jahre alte Modelle das Ideal der Schönheit verkörpern? Was erzeugt ein Gesicht mit deutlichem Kindchenschema im Betrachter, bei der nach jugendlich-schlanker Schönheit suchenden Masse der visuellen Wesen? Bei Männern als Zielgruppe leuchtet es vielleicht jedem ein. Männer sehen gerne "schöne" kompatible Wesen vor sich, um dem Sinn der Menschheit Rechnung zu tragen, nämlich deren Erhaltung mit möglichst idealem Erbgut fortzuführen. So trivial mag es einerseits sein, doch ich frage andererseits, warum es temporal (im Laufe der Menschheitsgeschichte), regional (gebietsbezogen) und ethnisch (je nach Glaubensauslegung) bei den vielen Vorlieben der Menschen mal in die eine Richtung (schlank) und mal in die andere Richtung (füllig) schwenkt. Kann es nur eine Modeerscheinung sein? Ist gerade schlank in, und wechselt das, sobald wir uns daran satt gesehen haben? Dazu ist es für mich wichtig zu beleuchten, wie die Entwicklung und Veränderung in der Vergangenheit von statten ging. Um es vorweg zu nehmen, es könnte in der Tat eine Modeerscheinung sein.
Beginnen werde ich mit der Darstellung und Veränderung des Ideals in den Epochen der letzten Jahrhunderte. Ich orientiere mich anhand der bildenden Kunst und der niedergeschriebenen Erkenntnisse verschiedener Autoren. Der Tenor dieser Betrachtung widmet sich erneut dem weiblichen Geschlecht. Die Gründe dafür habe ich im Vorfeld schon hinreichend benannt.
Welche Epochen haben mir auf meiner Reise besonders viele Beispiele für die Beschreibung eines Ideals beschert? Auf das (1.) Altertum konnte ich hier schon eingehen. Dort beginnend folge ich den Epochen mit bedeutenden Malern, von denen ich eine Darstellung des Körpers fand.
313 frühchristliche Kunst
450 750 Merowingische Zeit   Beginn der Buchmalerei
750 950 Karolinger Sakramentar Karls des Kahlen
950 1050 Ottonik Fresken der Kirche St. Georg in Oberzell (Reichenau)
1050 1200  Romanik  Gemälde an Kirchenwänden und Plastiken an 
                     Kirchenfassaden
1140 - 1200 Frühgotik  Glas- und Altarmalerei
1200 - 1300 Hochgotik
1300 - 1400 Gotik, beginnender Naturalismus, Siennensischer Einfluss
( Giotto - Das letzte Gericht)
1400 - 1500 Realismus Spätgotik Bürgertum

Hubert van Eyck 035
(Hubert) Jan van Eyck - Kathedrale St. Bavo (vor 1426-1432)
Retable de l'Agneau mystique
Jan Van Eyck s.o.
GardenED
Hieronymus Bosch - Der Garten der Lüste (zwischen 1480 und 1505)
1400 - 1510 Frührenaissance 
File:Study for the Kneeling Leda.jpg
Leonardo da Vinci - Kniende Leda (1505-1507)
1500 - 1530 Hochrenaissance
Durer Adam and Eve
Dürer - Adam und Eva (1507)
Jan Gossaert 008
Jan Gossaert (1516)
 Galatea Raphael
Raffael - Galatea (1512)
Lucas Cranach d.Ä. - Das Urteil des Paris
Lucas Cranach d.Ä. - Das Urteil des Paris (1528)
1530 - 1550 Manierismus
Hans Baldung - The Seven Ages of Woman - WGA01191
Hans Baldung Grien - Die sieben Lebensalter des Weibes (1544)
Hans Baldung 026
Hans Baldung Grien - Zwei Hexen (1523)

1530 - 1560 Subjektivismus
Venus and Adonis by Titian
Tizian - Venus und Adonis (1553)
1520 - 1600 Spätrenaissance
File:Leda.jpg
Michelangelo (Buonarroti) - Leda (1530)
1520 - 1580 Spätrennaissance Tragik
Tintoretto - Penitent Magdalene - Google Art Project
Tintoretto - Büßende Magdalena (1598 - 1602)
File:Jacopo Tintoretto - Women Playing Music - WGA22668.jpg
Tintoretto - musizierende Frauen (1550-1582)
1580 - 1630 Frühbarock
El Greco 042
El Greco - Hochzeit zu Kana (um1610)
Michelangelo Merisi da Caravaggio, Saint John the Baptist (Youth with a Ram) (c. 1602, Yorck Project)
Michelangelo Merisi da Caravaggio - Hl. Johannes der Täufer (1602)
1630 - 1730 Barock Klassizissmus
Rembrandt Harmensz. van Rijn 151
Rembrandt Harmensz. van Rijn - Susanna (1636)
RokebyVenus
Diego Velázquez - Venus vor dem Spiegel (1647-1651)
The Three Graces, by Peter Paul Rubens, from Prado in Google Earth
Peter Paul Rubens - Die Drei Grazien (um 1635)
1680 - 1720 Barock
Antonio Bellucci - Danaë - WGA1846
Antonio Bellucci - Danaë (1700-1705)
1730 - 1780 Rokkoko
Boucher Diane sortant du bain Louvre 2712
Francoise Bucher - Diana nach dem Bade 1742
1730 - 1820 Spätbarock
Odysseus und Penelope (Tischbein)
Johann Heinrich Wilhelm Tischbein - Odysseus und Penelope (1802)
1770 - 1850 Romantik (C.D.Friedrich, W.Turner)
Francesco Hayez 004
Francesco Hayez - Badende (1832)
Carl Spitzweg 004
Carl Spitzweg - Badende Nymphe (1855)
1830 - 1880 Realismus (Max Liebermann)
Gustave Courbet - Lot and His Daughters - WGA5455
Gustave Courbet - Lot und seine Töchter (1844)
1850 - 1900 Impressionismus (Monet Kandinski Nolde)
File:Jules LeFebvre - Jeune peintre des masque Grec, 1865.jpg
Jules LeFebvre - Jeune peintre des masque Grec, (1865)
Henri Rousseau 004
Henri Rousseau - Der Krieg (1894)
Renoir Nude c.1872
Pierre-Auguste Renoir - Nackte (1872)
Paul Cézanne - Baigneuses (Metropolitan Museum of Art)
Paul Cézanne - Badende (1875)
1890 - 1910 Jugendstil Pointilismus (Klimt Seurat Van Gogh)
File:Georges Seurat - Les Poseuses.jpg
Georges Seurat - Les Poseuses (1888)
1907 - 1915 Kubismus (Picasso Braque)
1900 - 1930 Expressionismus (Van Goch Gogin Nolde)
1922 - 1930 Surrealismus (Dali Magritte)
1920 - 1940 Art Deco
1920 - 1970 Moderne (Warhol Lichtenstein Hundertwasser)
1950 - 2000 Postmoderne
1990 - 2013 Gegenwart
Anhand der Malereien lässt sich eine Tendenz der jeweiligen Zeit ablesen. Ich habe diese Bilder stellvertretend für mehrere Bilder der Epoche ausgewählt, es lassen sich viele Hundert mehr Bilder finden, die sich als Zeitzeugnis für die Richtung, das Verständnis von Schönheit heranziehen lassen.  Über die Körperform könnte man folgende Entwicklung in einem Diagramm darstellen:
Diagramm Körpervoumen
Wie es weiter geht, das werden unsere Kinder gestalten. Klären wir sie auf!
PS. Alle Bilder von Gemälden sind gemeinfrei!

Dienstag, 9. Dezember 2014

Moralia 3 (47)

asba jeans hintern    Mies-Vandenbergh-Fotografie
Mies-Vandenbergh-Fotografie
Geschrei, Zeter und Mordio!
Die bösen Medien verderben unser grundlegend gesundes Verständnis von natürlicher Körperlichkeit. Es werden überall und immerdar nur schöne und schlanke Körper präsentiert. In der Werbung, in den Filmen und in den Anzeigen, in den Serien und in den Shows werden nur glückliche Menschen gezeigt. In den Katalogen und Zeitschriften werden nur schöne Menschen mit Zufriedenheitslächeln und der Optik des erfolgreichen Berufstätigen abgebildet. Frauen werden sogar oft nur als hübsches Beiwerk, begleitend als Ausstattung zum Erreichen des eigentlichen Zieles hinzu addiert, oft zum männlichen Helden, der die Welt in Händen hält oder dieselbige gerade rettet.
Es dürfen auch hier nur junge, schlanke und glücklich schauende Modelle "benutzt" werden. Menschen werden reduziert auf ein künstliches Abbild eines nie da gewesenen Idealmenschen, dessen Omnipräsenz unseren Geist irgendwann schon infiltriert haben wird, wenn man den Verwendern Glauben schenken wollte. Frauen unterliegen besonders diesem Diktat, welches von Männern geschaffen worden sein soll und stets präsent gehalten werden soll.
Die böse Welt, in der wir leben, in der wir all das oben genannte ertragen müssen, könnte so viel besser sein, wenn wir nur davon wüssten. Oder? So könnte man vermuten. Doch ich möchte die Frage bewusst an uns stellen und einen Versuch der Antwort wagen. Enden werde ich dabei wiedereinmal bei unserer Moral. Mir wird wieder die Scheinheiligkeit unserer Gemeinschaft bewusst, die mich antreibt und nicht müde werden lässt, sie (und mich) an den Pranger zu stellen, und wenn es nur mein eigener, persönlicher sein wird.
Beginne ich also mit den unangenehmen Fragen und den fiesen Antworten:
· Wer ist der Konsument, genannt die Zielgruppe dieser Schönmenschenabbilder?
Antwort: WIR!
· Wer sorgt für die hohen Einschaltquoten von Filmen mit durchweg attraktiven Menschen und die unterdurchschnittlichen Quoten bei Filmen mit durchschnittlich attraktiven Menschen?
Antwort: WIR!
· Wer kauft die an Tieren erprobten Schönheitscremes und Haargeeltuben im Supermarkt?
Antwort: WIR!
· Wer verschlingt die neuen Klatsch und Tratsch - Kolumnen in den Tv und Print Medien?
Antwort: WIR!
· Wer klickt im Netz millionenfach auf die Bilder der reichen und besonders die Bilder der schönen Männer und Frauen?
Antwort: WIR!
So ist die Reihe fortzuschreiben, jeder von uns weiß es selbst am besten. Warum ist es denn so?
Wieder ein paar Fragen dazu:
· Willst Du durchschnittlich schöne Menschen im Fernsehen sehen?
· Kaufst Du Produkte, die mit unterdurchschnittlich attraktiven Gesichtern beworben werden?
· Wenn Du es Dir aussuchen könntest, wärest Du lieber überdurchschnittlich schön oder weniger schön?
· Was unternimmst Du alles, um Deine Attraktivität zu erhalten oder zu steigern?
· Wie viel von Deinem mit Deiner Lebensenergie erwirtschafteten Geld bist Du bereit, für Deine Schönheit, also deren Erschaffung, Erhaltung oder Verbesserung zu opfern?
Und nun zum Eingemachten!
Erneut ein paar Fragen!
· Hast Du einen attraktiven Menschen zum Partner?
· Hast Du Dich "schön" gemacht vor Euren ersten Treffen?
· Kleidest Du Dich vorteilhaft, wenn Du ausgehst?
· Um einen Menschen zu beeindrucken, zeigst Du Dich von Deiner alltägliches Seite, nämlich so, wie Du bist, oder spielst Du eine Rolle?
Auch hier könnte ich weitere Fragen stellen, es würden vermutlich immer die gleichen Antworten folgen, nämlich der Mensch steht in Konkurrenz zu seinen Mitmenschen, er meint es zumindest. Daher stellt es sich in einem Licht dar, das "anders" scheint, als das der anderen. Nicht gänzlich versteht sich, denn mit der Mode gehr der Mensch sehrwohl, es kann nur keine ältere Mode sein, denn wenn der Mode alle nachgekommen sind, so ist es keine Mode mehr. Dann muss schon etwas Neues her, das den Menschen erneut aus der Masse abhebt. Die kleinen Zeichen, die den eingeweihten als Erkennungszeichen für ihr Modelabel dient, sind von höchster Wichtigkeit bei der alltäglichen Modeschau der Straße. Was früher(und noch heute) ein kleines (riesiges)Reptil war, ist heute ein ausgestorbener Dickhäuter oder ein schlaues Waldtier, wer nicht so reich betucht oder auf vermutlich nicht so hohe Qualität bedacht ist, greift auf eine Tierspur zurück, um etwas auszusagen.
Um all das auf den Punkt zu bringen:
Der aktive Mensch entwickelt sich weiter. Er unterliegt Veränderungen, die er selbst hervorbringt. Er strebt nach " M E H R " !  Mehr Haben, mehr sein! Zufriedenheit wird in dieser Gesellschaft immer mehr zu einem "knappen Gut".  Der Mensch entwickelt sich. Er möchte schöner sein. Er möchte reicher sein, mächtiger, beliebter, glücklicher, ...  . Er möchte sich gut fühlen! Möchte sich ernsthaft jemand schlechter fühlen? Nein. Was tue ich, um mich mein Leben lang immer ein bisschen besser zu fühlen?  Ich unternehme Dinge, von denen ich denke, dass sie dazu dienen, mich besser zu fühlen. Mich glücklicher zu fühlen. Was das ist, das erkennt jeder selbst, oder es wird ihm vorgelebt, jedem in seinem Habitat auf eine bestimmte Art und Weise und er kann es nachmachen. Er kann natürlich versuchen, es selbst herauszufinden, doch dafür müsste der Mensch die ausgetretenen Pfade mal verlassen. Der ignorante, bequeme, dekadente Durchschnittsbürger der westlichen Zivilisation steht dabei vor einem Dilemma.  Er muss sich bewegen! Körperlich und vor allem Geistig und Seelisch! Das ist anstrengend. Sehr anstrengend. Sich im Strom treiben zu lassen, als Fähnchen im Wind ist doch so bequem, mit einer Tüte Chips auf dem Sofa. Ach, ja, geht doch auch so... Ja, mich mich, mich. Von den anderen ganz zu schweigen. Ich möchte an dieser Stelle nicht noch darauf eingehen, was der Zwischenmenschlichkeit und Empathie geschuldet hinzu kommt, das werde ich gerne in einem weiteren Beitrag tun.
Der Mensch möchte das positive Erlebnis, die positive Erkenntnis, die positive Veränderung seiner Bilanz auf dem Konto der Gefühle, des Aussehens, des Habens, der Zufriedenheit. Erreichen wir diese positive Bilanzierung mit negativen Erlebnissen oder mit guten, schönen, erfolgreichen Inhalten? Ich bin in einem Zustand, in dem ich denke, es sollten die positiven sein!
Das gestaltet sich so:
Ich sehe im Fernsehen lieber schöne Menschen. Ich habe lieber eine schöne Frau zu meiner Ehefrau. Ich habe lieber gutaussehehnde Freunde. Ich habe lieber schöne Kinder. Ich sehe mir lieber gute Bilder an. Ich gehe lieber gutes Essen essen. Ich fahre lieber schöne Autos. Ich ziehe lieber schöne Kleidung an. Ich sehe lieber schöne Tiere im Zoo. Ich sehe lieber schöne Menschen auf der Straße. Ich gehe lieber ins Kino, wenn schöne Menschen dort eine Rolle haben. Ich sehe mir lieber schöne Pflanzen in der Natur an. Ich gehe lieber durch schöne Wälder. Ich laufe gerne in schönen Schuhen. Ich trage gerne ein schöne Armbanduhr. Ich sehe lieber schöne Zähne beim Gegenüber. - Wie lang kann die Liste werden?
Ist das alles wahr? Manches ja, manches weniger, manches nicht. Jeder kann für sich selbst überdenken, was er oder sie bejahen würde und was nicht. Und was ist die Folge davon?
Möchte ich angesehen werden/sein, so muss ich mich entsprechend verhalten! Warum reicht nicht die Kutte der Mönche?
Fazit: Ich sehe gerne hin und wieder einen wohlgeformten Hintern und freue mich, dass es viele Frauen gibt, die diese Schönheit hin und wieder gerne zeigen.

Samstag, 6. Dezember 2014

Körper - Aquarelle (46)

Schon früher habe ich über die Formen des menschlichen Körpers nachgedacht und die Berichte über die von Sozialwissenschaftlern und Forschern durchgeführten Beobachtungen und Experimente gelesen oder mehr noch verschlungen. Vom Aussehen der hübschen Mädchen an unserer Schule inspiriert und vor dieser Zeit erstmalig mit dem anderen Geschlecht in Berührung gekommen - zur Zeit der Grundschule - kamen die wohl von nahezu jedem Kind oder Jugendlichem erlebten "Doktorspiele" vorab zu meinen ersten Erfahrungen. Wir wohnten in einem Mehrfamilienhaus mit 10 Parteien, unter denen neben uns noch zwei Familien mit Kindern unseres Alters lebten. Da wir uns gut kannten, kamen wir einmal dazu, im Zuge der Entdeckung unserer Geschlechter, dies doch mal genauer zu untersuchen. So verabredeten wir uns nachmittags im Partykeller, um dort heimlich vor den Erwachsenen verborgen, zu betrachten, wie es beim anderen aussieht. Zu fünft mit zwei Jungs und drei Mädchen sahen wir nun liegend auf einem Sofa nach, wie es denn aussah. Das Bild von Rembrandt van Rijn "Die Anatomie des Dr. Tulp" könnte da fast eine Kopie der Situation darstellen! Völlig ohne irgendwelche Hintergedanken gaben wir unserer Neugier nach und in der Zeit nach diesem Abend gingen wir alle mit zwar einem leichten Lächeln, aber insgesamt ganz normal - wie vorher - freundschaftlich miteinander um.
Gruppe
Nach diesen spannenden Erlebnissen kamen die Zeiten der Oberschule und das sollte die Entwicklung meines Verständnisses von Beziehungen zum anderen Geschlecht prägen. Dazu aber zu einem späteren Zeitpunkt mehr.
Ich sah gerne die Mädchen an und ich habe schon immer auf die Proportionen geschaut. In wie weit das bei anderen Jugendlichen der Fall war entzieht sich meiner Kenntnis. Bei meinen Freunden war es unterschiedlich, es waren die Gesichter wichtig, der Busen, die Erscheinung oder die Figur. In diesem Alter wechselten unsere Vorlieben häufiger, wenn man das überhaupt so beschreiben kann. Ich meine, am wichtigsten war für uns damals das Gesicht. Ich habe aus meinen damaligen Tagen alte Aufzeichnungen durchgesehen und ich erinnere mich ebenso daran, dass ich schon damals sehr viel Wert auf den "Verlauf" legte, wie ich es beschrieb. Ich meinte damit genau die Körperregion von den Oberschenkeln bis zur Hüfte. Ich war und bin noch immer von diesen Linien fasziniert. Ausdruck habe ich dem schon immer in Form der Fotografie gegeben, doch vor einigen Jahren zusätzlich damit begonnen, in der Malerei eine Darstellungsform für die Wiedergabe der Faszination zu finden oder besser gesagt damit meine Vorstellung davon zu manifestieren. Bilder als Ausdruck einer Odyssee der inneren Reise zwischen eigenen Vorlieben und Wünschen, dazu die Irrungen und Wirrungen des Erwachsenwerdens, das keineswegs je mit dem 18. Lebensjahr abgeschlossen wurde. Selbst im Alter von Ü40 entwickelt sich die Sichtweise weiter, vermutlich wird es wie das Gesamtbild ein Teil des Lebenswerkes.
Hier wiedergegeben habe ich zwei Bilder in der Aquarelltechnik, in denen die Farbe Sienna dominiert. Die Formen und Linien beschreibend habe ich eines der Bilder monochrom gemalt, das andere fast monochrom. Bei der Ansicht soll der Betrachter auf sein eigenes Vorstellungsvermögen zurückgreifen, ohne dass ich eine detaillierte Bildaussage vorgeben möchte. Einzig die Linien sind deutlich gemalt, die Formvollendung findet in der Gedanken- und Gefühlswelt des Betrachters statt. Ich sage mit den Bildern aus, was ich für mich selbst in ihrem Motiv erkenne, soweit ich die Fertigkeit zur Umsetzung dessen beherrsche; bei jedem Menschen kommt es in Folge der eigenen Idee von Schönheit und Kunst zu einer Differenz oder Vielfalt in der Botschaft des Bildes. Lasse ich also die Bilder wirken.
soli kl
Zur Aussage der bildenden Kunst möchte ich meine Erfahrung bei der Fertigung von kleinen Skulpturen erzählen, das in einem der nächsten Beiträge. Ich habe die Skulpturen nach einem Bildnis in meinen Gedanken gearbeitet.

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Intermotiviale Pfade - Der Weg zur People-Fotografie (45)

baek jeans hintern   Mies-Vandenbergh-Fotografie
Mies-Vandenbergh-Fotografie
Mein spannender Weg zur Körperfotografie, zur Menschenfotografie allgemein gestaltete sich umständlich - aber auch stetig. Wie er sich entwickelte und welche interessanten Umwege ich beschritt, darüber möchte ich in diesem Beitrag schreiben. Wohlwissend, dass ich noch lange nicht an ein Ziel, in einen statischen Zustand gelangt bin, so bin ich der festen Überzeugung, dass dieser Weg, wie es der des ewigen Lernens im Leben ist, auch hier keine Ausnahme bildet. Jeder Mensch, der sich ernsthaft mit der Fotografie beschäftigen "will", der steht mit seinen ersten Bildern in der eigenen Kritik.

   Ich habe zwar schon auf dem ersten Film mit meiner trivialen Kodak "Ritsch-Ratsch-Klick" - Kamera meine damalige französische Freundin abgelichtet, ebenso aber einen Marinezerstörer in Husum, die dortige Jugendherberge sowie die Stadt. Nach der Kodak kam die erste Spiegelreflex und damit begann die eigentliche, spannende Reise durch die unendlichen Motivwelten. Resümierend möchte ich vorwegnehmen, dass ich trotz der ausschweifenden Fotoreihen mit anderen Motiven doch wieder zurück zu den anfänglichen Vorlieben, nämlich der Menschen-Fotografie zurück gekehrt bin.

   Am Anfang war durch das aufkeimende Interesse am anderen Geschlecht schlechthin der Wunsch entstanden nicht nur meine auch aus heutiger Sicht sehr fotogene erste "richtige" Freundin zu fotografieren. Mit offenen Augen durch die Welt gehend gab es für mich schon immer sehr viele in meinen Augen "hübsche" Frauen; als Jugendlicher natürlich eher Mädchen. Nicht jede derer wollte ich fotografieren, ich dachte nur bei einem bestimmten Typus darüber nach, dass genau dieses Mädchen in exaxt dieser Situation, jetzt in diesem Augenblick ein wundervolles Motiv für ein hervorragendes Bildnis hergäbe. Ich möchte an dieser Stelle besonders für die oder den fragende(n) Leser(in) deutlich machen, dass es mir nicht darum ging, all diese Mädchen zu meiner Freundin zu gewinnen, sondern sie zu fotografieren.

   So kam es zu Situationen wie jene, in der meine damalige Partnerin - in gemeinsamen Vertrauen zwischen uns beiden - ihre Klassekameradin, die für mich sehr fotogen war, fragte, ob sie Spaß an einem Fotoshooting hätte. Bald darauf sollte es sich ergeben. Durch die wahre Begeisterung des Modelles über ihre Bilder wurden sogar drei Shootings innerhalb von 2 Jahren daraus. Diese beeinflussten die Partnerschaft mit meiner Freundin nicht. In verfremdeter Form stelle ich eines der Bilder später aus, und zwar deswegen verfremdet, weil ich als 17jähriger noch nichts über Modell-Release wußte, bzw. nicht mal im Ansatz an Veröffentlichung zu denken war und es das Internet schlicht nicht gab. Ja, so lange ist es her! Auch kann ich nicht einfach vom Einverständnis des hübschen Mädchens mit ihren braunen langen Haaren ausgehen, ihr Bild hier zu veröffentlichen.
   So habe ich in den Endsiebzigern und Achtziger Jahren mit der Fotografie begonnen. Nicht alleine habe ich dieses Hobby betrieben, denn während meiner neunjährigen Oberschulzeit waren in meinem direkten Schulfreundeskreis zwei weitere Jungs ebenso ernsthaft an der Fotografie interessiert, wie ich. So unternahmen wir gemeinsam unzählige Fototouren.

Mein Motiv sollte von da an in der kommenden Zeit immer wieder wechseln. Ich empfand es damals - wie heute - niemals verwerflich, wenn sich ein Fotograf nicht auf nur wenige Motive in seiner Fotografie beschränkt. Bei Goethe las ich sinngemäß einmal einen Satz über das Fachidiotentum: Je kleiner sein Reich, desto konzentrierter die Kraft. Meiner Ansicht nach steckt viel Wahrheit darin. Jeder Mensch kann sich dabei selbst aussuchen, wie er in seinem Leben seine Kräfte einsetzen möchte: breit gefächert oder in die Tiefe gehend. Es gibt für beide Richtungen gute Gründe.

   So kam ich zur Natur- und Landschaftsfotografie. Dieses Motiv hat mir durch seine Statik viel über das Thema Bildkomposition vermittelt. Bei gemeinsamen Bildbesprechungen der gleichen Motive mit unterschiedlichen Ergebnissen wetteiferten wir, unterstützt von eigenen "Klugscheißereien" über Betrachtungswinkel, Horizontaufteilung oder fehlendem Vordergrund um das bessere Foto.

An der nächsten Abzweigung des Motivweges geriet ich in die Fänge der Architekturfotografie. In den Metropolen Köln und Düsseldorf, aber auch in Wuppertal und dem Bergischen Land wurden wir leicht fündig. Tilt und Shift noch als unbedeutende Fremdworte abgetan und mangels nicht existenter Rechner mit nicht vorhandenem Gimp oder Photoshop stürzten uns die Linien nur so um die Ohren, wenn wir nicht weit genug weg das Teleobjektiv in Anschlag brachten.

   Manchmal flackerte während der ausgedehnten Städtetouren neben uns das Motivlichtlein der Streetfotografie auf, während uns dieser heute so in Mode gekommene Begriff und das Genre als Motiv völlig unbekannt war. Dennoch hatten wir so manches Motiv als lohnenswert für ein aussagekräftiges Foto bewertet und nach Blenden- und Zeiteinstellung mit dem Schnittbildindikator nach der flüchtigen Schärfeebene gefahndet. Zoos waren und sind weiterhin ein dankbarer Motivdschungel. Tiere ergeben für mich auch heute noch teils interessante, teils dramatische, aber auch skurile und lustige Fotografien. Am See bei uns waren die frechen, nimmersatten Enten ein beliebtes Motiv und vor so manchem fauchendem Höckerschwan mussten wir uns hinter eine Bank retten.

   Trotz all diesen Ausflügen in andere Themenbereiche der Fotografie gesellte sich auf die Filme immer wieder hier und da ein Negativ eines schönen Menschen, vornehmlich das Gesicht und besonders die Linien eines Mädchens. Ich bin aus noch ungeklärter Ursache nicht Fotograf geworden, obwohl ich mich zeitlebens damit beschäftigte. Doch diese Geschichte ist eine andere als diese hier.

   Als vorläufiges Fazit habe ich für mich die Erkenntnis gewonnen, dass mich die aufreibenden Reisen zu den verschiedensten Motiven bei der Entwicklung meines fotografischen "Könnens" unterstützten. Bei der Umsetzung des Erkannten konnte ich häufig die Schwierigkeiten erleben, es einfach anders zu machen. Das Alles geschah in der Zeit während des "restlichen"* Lebens. Die Veränderungen im eigenen Anspruch mal beiseite gelassen, gewährt mir die Einsicht über meine technischen Unzulänglichkeiten mindestens eine Erkenntnis: für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Güte meiner Bilder braucht's mehr als nur ein Forum oder ein Bildhoster mit Favoriten oder "Like" - Häckchen - Funktion. Persönliche Besprechungen mit Leidensgenossen oder nichtvirtuellen Bildansehern kann ich nur wärmstens empfehlen.

   Ich empfehle desgleichen jedem Fotografie-interessiertem weite Ausflüge in die verschiedensten Motivwelten. Im weiteren Verlauf jedoch halte ich eine Vertiefung von wenigen Motiven als diffuses Ziel für lohnenswert, dies in Angriff zu nehmen. Es bedeutet ja nicht eine starre Festlegung auf ewig. Ein gelegentlicher Blick über den Tellerrand verhilft einem entweder zur weisen Erkenntnis, dass man doch eine andere Richtung der Fotografie im Blut hat oder die Erkenntnis, dass man in den bekannten Gewässern wunderbare "Landschaften" dokumentiert.

    Noch eine abschließende Bemerkung über die Familienfotografie: Auch wenn viele Fotografielehrer in ihrer Lehre diesen Zweig der Fotografie gleichbedeutend mit allen anderen Bereichen als lehrwürdig betrachten, so möchte ich dem einen Gedanken entgegenhalten, der mich am Ziel dessen zweifeln lässt: Wenn ich mich in der Fotografie bilden möchte, so mache ich mir Gedanken über viele Bedingungen des Abbildens, ich lerne viel über Dinge wie Einstellungsmöglichkeiten, Licht und Dunkelheit. Doch ich meine, jedes Bild der Familie, das aus lehrfotografischer Sicht nicht gemacht wurde ist ein verlorenes Bild. Lieber 30 mittelmäßig fotografierte Bilder des Kindes bei nur einem gelungenem, als auch nur ein einziges, verpasstes Bild, denn in Zeiten des kostenlosen Speicherns der Bilder ist es einerlei. Mit der Zeit sollte sich die Art und Weise der Abbildungen beim ambitionierten Fotografen zwangsläufig weiter entwickeln. Will man aber das Familienleben vielleicht in Form von Jahresfotobüchern dokumentieren, für die Nachkommen Aufnahmen zusammenstellen, so meine ich, man solle lieber einmal mehr auslösen.
* Das wirkliche Leben ist für mich sehr plakativ gesagt weiterhin die Vereinigung von Selbstentwicklung und - vor allem - Partnerschaft mit Familie inklusive allen Baustellen und Nebenkriegsschauplätzen wie täglicher Hausaufgaben - Hilfestellung zur selbstständigen Erledigung derselben durch die lieben Kinder.

Dienstag, 2. Dezember 2014

Die Erschaffung eines Images (44)

bae jeans hintern   Mies-Vandenbergh-Fotografie
Mies-Vandenbergh-Fotografie
   Mit einer Fotografie kann der Fotograf ein Image eines Menschen erschaffen. Abbilden wird der Fotograf mit seiner Kamera "nur" das, was er sieht! Vordergründig betrachtet ist es richtig, doch es steckt hinter einer Aufnahme, die der Betrachter, also wir, zu sehen bekommen, bekanntlich viel mehr. Unter den vielen Gestaltungsmöglichkeiten einer Fotosession mit einem Menschen finden sich Mittel und Wege, die Person in den unterschiedlichsten Facetten wiederzugeben. Aus dem Modell lässt sich ein Engel machen oder ein Vamp.
  Wir als Betrachter der vielen Modell-Ikonen wie Christy Turlington, Laetitia Casta oder Milla Jovovic können allein unter ihren bereits veröffentlichten Fotografien viele verschiedene Gesichter und auch Charaktäre ausmachen. Der Einfluss des Fotografen ist einfach wesentlich, gibt es doch unendlich viele Knipser und Hobbypaparazzi auf der einen und wirkliche Fotografen, deren Bilder in Ausstellungen und Büchern zu bestaunen sind, auf der anderen Seite. Nebenbei bemerkt habe ich weder Ausstellung noch Buch publiziert. ;-) Auch soll es keine Wertung eines Menschen sein nur des "Fotografen¨.
   Was ein Fotograf vom Format wie zum Beispiel Peter Lindbergh aus einem Menschenbildnis machen kann, das finde ich überaus bewundernswert. Es spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle, mit welcher Kamera er das macht und welches Equipment ihm zur Verfügung steht. Wenn ein Fotograf oder eine Fotografin, gleichwohl ob Profi oder Amateur, sich Gedanken vor einem bestimmten Shooting mit einem Modell macht, so kann er oder sie das Ziel der Aufnahmeserie genau definieren. Will man ein bestimmtes Ergebnis erreichen, sind im Umkehrschluss ganz bestimnte Vorbereitungen unabdingbar. Nicht nur die Ausrüstung meine ich, auch Location, Kleidung/Style, Licht oder Make-up bestimmt die Bildaussage.
Was will ich darstellen, welche Botschaft möchte ich mit einer Fotografie transportieren?
   Wenn ich mir die die Schönheitsvorstellung verkörpernden Modelle der Mode- und Kosmetikindustrie so betrachte, dann kann die Botschaft derer Bilder für mich nur die folgende sein. "Sieh her, ich bin die personifizierte Schönheit, die Du auch erreichen kannst, wenn Du diese oder jene Produkte auch benutzt!" Wir werden mit diesen Ikonen der Schönheit tagtäglich mit einer Intensität konfrontriert, dass man glauben könnte, so würde die Mehrheit der Menschen aussehen. Die Rolle der Medien ist dabei entscheidend, denn erst durch deren Einsatz ist eine so starke Verfügbarkeit erst möglich geworden.
   Wer macht nun diese Bilder. Wer bereitet die Modelle auf die Film und Fotosessions vor? Außer eines Visagisten oder Maskenbildners können viele andere Personen involviert sein. Selbst bei den in den 1990ern und 2000ern in Mode gekommenen Natürlichkeitslooks, auf denen die Modelle wie zufällig auf sehr natürliche Weise dargestellt wurden überließ man nichts dem Zufall und jede noch so zufällig daherfliegende Haarsträhne war genauestens geplant, wie mir ein befreundeter Modefotograf versicherte.
   Mit vielfältigen Mitteln kann der Fotograf den Look eines Menschen verändern. Bei bekannten Gesichtern ist dies besonders deutlich. Meist werden diese Personen des öffentlichen Rechts in sehr ähnlicher Weise abgebildet. Viele derer verkörpern ein bestimmtes Image, welches der Fotograf mit der Art seiner Aufnahmen gestaltet und auch aufrecht erhält. Manch einer von uns wäre regelrecht erschrocken, wenn er eines der Supermodelle oder eine(n) Schauspieler(in) ohne vorhergehendes Styling ansehen könnte.
   Stellen Sie sich ihren Partner oder ihre Partnerin vor, wie sie einmal vollkommen geschminkt und mit modischster Kleidung und Frisur vor ihnen stünde oder - einfach so - im weiten Pyjama mit zerzausten Haaren. Beides ist der selbe Mensch und doch transportiert er eine vollkommen widersprüchliche Bildaussage. Was jetzt hier als krasser Gegensatz genannt wurde, kann im Einzelnen auch etwas sehr diffiziles sein, dass, oberflächlich betrachtet, kaum auffällig ist, aber durch ein Fehlen doch sehr starke Irritationen beim Betrachter erzeugt. Schon ein fehlender Kajalstrich könnte eine ganz bestimmte Härte oder Entschlossenheit im Gesichtsausdruck vermissen lassen. Das kann gewünscht sein, wenn eine natürliche, sanfte Ausstrahlung des Modelles beabsichtigt wird. So lassen sich manche Modelle nur sehr ausnahmsweise mal ohne eine bestimmtes Make-up ablichten.
   Der Fotograf kann die Aussage eines Images des Modelles weiter führen, indem er ein Modell in stets sehr ähnlicher Art und Weise fotografiert, bzw. die Bilder in genau dieser Art weiter bearbeitet, die der gewünschten Optik des Modells oder des Auftraggebers Rechnung trägt. Wenige Modelle haben - meiner Ansicht nach - eine besonders breitgefächerte Vielfalt der darzustellenden Charaktäre oder Looks. Viele sind festgelegt auf wenige bestimmte Rollen. Selbst, wenn sie es versuchten, würden sie mehr von ihrem eigentlichen Image zerstören, als ein neues dazugewinnen.
   Sehr gut zu beobachten ist das bei den Schauspielerinnen, die aus der Familienkommödie oder Vorabend-krankenhausserie stammen und danach eine Tatortkommissarin darstellen sollen. Diese Veränderung gelingt nur sehr selten und wirkt leider unglaubwürdig. Diese Aussage stellt meine persönliche Ansicht dar.
   Viele Modelle haben aus vorgenannten Gründen gerne nur bestimmte Fotografen, weil es diese verstehen, die im Modell vorhandenen besonderen optischen Attribute auf dem Film hervor zu heben, bzw. auf den Chip. Jeder, der fotografiert, hat eine eigene "Sicht der Dinge". So würde auch ein Mensch durch die Augen und schließlich durch die Linse eines jeden Fotografen immer wieder anders dargestellt werden, ohne den wechselnden Gemütszustand des Modells dazu zu bedenken.
   So wie die Menschen in jedem anderen Menschen etwas anderes sehen, so bringt auch jeder Fotograf bestimmte Eigenschaften seines Modells hervor und genau an dieser Stelle beginnt der Einfluss des Fotografen. Er kann sich für Eigenschaft A oder B oder C oder … auf seinen Bildern als Hauptbotschaft entscheiden. Genau danach wird er vermutlich sein Modell instruieren. Wenn auch die Auswahl der Bilder im persönlichen Bereich durch das Modell selber erfolgt, so kann es dennoch ausschließlich zwischen den geschossenenen Images (=Bildern) auswählen. Andere gibt es nicht.
   Bis hier her bin ich noch nicht mal auf die Frage eingegangen, in wie weit die eigene Sichtweise des Modelles mit in die Bilder einfließt. Die abschließende Frage am Ende der Session bei der Betrachtung der Bilder ist dann, ob sich das Modell so wiedererkennt, wie es meint zu sein oder auszusehen! Stimmen da die Sichtweisen des Modells und des Fotografen überein oder nähern sich an? Oder soll es gar nicht so sein und der Fotograf soll viel mehr etwas im Modell hervorheben/ entdecken / erschaffen. Etwas, von dem das Modell meint, das er oder sie es vielleicht nicht verkörpere oder ausgedrücke, der Fotograf solle es aber erschaffen und in die Bildaussage transferieren.
Möglicherweise kann es für ein Modell sehr spannend sein, den Fotograf in einem Teil des Shootings freie Hand zu lassen und Ansichten kreieren zu lassen, in denen sie oder er sich kaum wiedererkennt. Immer wird es dabei ein Abbild des Menschen sein, das jedoch stark verfremdet sein kann und ganz oft ist. Denn eines ist heutzutage ganz sicher: So gut wie keinem Bild ist mehr zu trauen, dass man nicht selber bearbeitet hat! ;-)

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