Das Foto eines wohlgeformten Hinterns. Es befindet sich vor mir, ich sehe es an und denke:
Ein
schöner Hintern! Ein gelungenes Foto! Im rechten Augenblick hat jemand
auf den Auslöser gedrückt, nachdem er das Motiv entdeckte. Die Technik
ließ ihn nicht im Stich, das Licht war richtig und die Einstellungen an
der Kamera, für die - sie oder er - sich weit vor diesem Augenblick
entschied, waren richtig gewählt. Der Focus hatte das Motiv ebenso
korrekt erfasst, wie die Blende genau die richtige Menge Licht
durchließ. Da ist es also, das Bild. Das Bild eines schönen Popos. Der
ist also auch da gewesen. Dieser Hintern wurde für das Bild ( und zwar
das auf dem Sensor genau so, wie jenes, das in den Köpfen der
Betrachterin oder des Betrachters entsteht) in eine ihn gut in Szene
setzende Kleidung gesteckt. Er soll schön aussehen, was ja ob des Fotos
auch hinlänglich gelungen ist.
Da ist es also, das Bild eines
wohlgeformten Hinterns. Und der Hintern selbst - mit einem Rest von
Mensch daran. So meint der Hintern. Doch er, der für die Aufnahme so
toll hergerichtet, der in eine für den Rest des Menschen besonders
unbequeme, weil enge Jeans gezwängt wurde, der sogar vollendet in der
Form seiner Pobacken noch den String, wenn überhaupt, darunter trägt,
was meint er zu sein, zu sein während des Restes der Stunden, in denen
er immer wieder gerne angeschaut wird?
Mehr noch, welche Bedeutung
hat er im Verlauf der Zeit, in der Spanne seiner Existenz? Ist der Rest
des Körpers noch jung, so ist auch er jung, altert der Rest des
Körpers, so macht er was? Schön aussehen, straff bleiben und immer schön
knackig und fest? Mitnichten! Auch er kriecht zu Kreuze dem Diktat der
Schwerkraft, so, wie der an ihm hängende Rest ebenfalls nicht entkommt.
Irgendwann sogar wird er zu Staube und von Form kann wahrlich nicht mehr
die Rede sein.
Also wird es kommen, und die Zeit wird ihre
Botschaften überbringen, ob wir sie verstehen wollen oder nicht. Die
Sache ist entstanden, irgendwann, und demgemäß wird sie vergehen. Was
bleibt, das ist die Idee, und nur dann mehr als eine Idee der Schönheit
wie der der Mona Lisa, deren Züge sicher schon vergessen, wäre nicht
damals ein Hinseher gewesen, der die Zauberhaftigkeit des Wesens allein
für sich dazu brachte, ein Bildnis von ihr zu kreieren. So können wir
uns heute noch darüber streiten, ob sie denn Schönheit ausdrückt oder
nicht, ihr Bildnis jedenfalls sorgt für mehr als nur Idee, ihr Antlitz
sorgt für jeden Menschen in seinem ganz persönlichen Licht, zu sagen, ob
wir einstimmen in die Begeisterung des Leonardo.
So ist denn
Abbildung ein Zeugnis des Augenblickes. Wie schon nur wenige Wochen
später sich die Linien verändern können, das weiß jeder selbst zu
bezeugen. Nicht, dass es so ist, beschreibe ich mit Bildern, nur
entgegen der Vergänglichkeit ist mir an dem Bild des Augenblicks
gelegen, welches ich festhalte als Zeugnis dafür, dass der Abgelichtete
wirklich einst so aussah. In der Erbaulichkeit über das Aussehen,
welches uns Menschen stets so beeindruckt, zeige ich, bevor sich auflöst
in das Meer der Überformen die vollendete Linie.
Mit der
definitiv unwichtigen, belanglosen und bedeutungslosen Darstellung von
Hintern setze ich ein Zeichen der Schönheit der Gesäße und jeder mag
hinsehen, dem es gefällt. Bevor diese ihre Form des Augenblickes für
immer verändern - was dem Menschen als solchen nie abträglich ist, weder
dem Charakter noch dem Herzen - nur den Augen des Gerneansehers der
Gesäße trägt es zu, zu sehen und sich daran zu erfreuen, so wie es immer
schon dem Schöngeiste daran gelegen war, Schönes anzusehen. Gleich
dabei, ob es die Moleküle zu einem Tier, zu einer Blüte, zu einem
Sonnenuntergang oder zu einem Gesicht gebracht haben. Für den Fotografen
ist sein Motiv der ultimative Moment der Dokumentation, es abzulichten,
bevor es abgetaucht ist in den Blättern des Eisenholzbaumes oder
sonstwo hin. Bevor es seine Gestalt verändert soll es abgebildet sein,
dem Lauf der Zeit entnommen für das Foto des Augenblickes.
Wie die
Vergänglichkeit des Augenblickes wird zwar auch das Bild vergehen, so
ist es nur eine kleine Verlängerung dieses Augenblicks, den der Fotograf
für sich entdeckt und anderen Besuchern seiner Bilder vorstellen kann.
Der Besucher dieser Austellung sieht hin, zu dem, was so in dieser Weise
nicht alltäglich zu sein scheint und doch ist. Werden Bilder nicht
entfremdet durch die unendlichen Möglichkeiten der
Bildbearbeitungssoftware, so zeigen sie die Realität, welche vielleicht
nur aus einem nicht alltäglichen Blickwinkel betrachtet ist, doch
letztendlich nichts anderes, als was schon da ist!
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