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Sonntag, 28. Dezember 2014

Photographers View (60)

rapt jeans hintern  Mies Vandenbergh Fotografie
Mies-Vandenbergh-Fotografie
Worauf sollte sich unser subjektives Urteil stützen, wenn nicht auf das reine Gefallen an der anmutenden Erscheinung der entdeckten Person? Weit vor den eigentlichen, wesentlichen, bedeutenden Kriterien für das Zusammenleben mit einem Menschen hat das Aussehen, die Schönheit, bzw. das Gefallen den Schlüssel für das wahrnehmende Hinsehen inne. Bevor eine Freundin zu einer Freundin, ein Freund zu einem Freund wird, sind sie für uns Fremde, die wir auch wie Fremde ansehen, Fremde wie jeder Mensch, den wir zum ersten Male sehen und von dessen Freundlichkeit und Taktgefühl, Warmherzigkeit und Wahrhaftigkeit wir noch nichts ahnen. Bevor Humor und Mitgefühl, Zuverlässigkeit und Achtung, Höflichkeit und Treue, Empathie und Unterstützung des anderen dem Aussehen die Bedeutung nehmen, die es zu Beginn einer Beziehung zu einem anderen Menschen hat, zählt es für uns alle ersteinmal.
   Das heißt nicht, dass die Schönheit danach nebensächlich wird und in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Nein, ist sie doch dann noch so wichtig, als dass ich beispielsweise sehr wohl die Figur meiner Frau immer wieder gerne betrachte, ihre braunen Augen und ihr Lachen und im Gegenzug mein Aussehen auch nicht der dekadenten Gleichgültigkeit mancher Zeitgenossen preisgebe.
   Und hier kommt der Moment des Fotografen ins Spiel. Für ihn ist jeder Moment, in dem er einen Menschen zum ersten Male sieht, so, wie es das erste Mal für beide neugierigen Menschen ist, auch wenn sie sich danach erst richtig kennenlernen. Der Fotograf sieht genau so zuerst die Schönheit des Menschen gegenüber und das bedeutet keineswegs, dass er ihn oder sie darauf reduziert. Das Bild ist schließlich meist der erste Eindruck, den wir von unserem Gegenüber gewinnen können.
Das heißt damit natürlich nicht, dass der Fotograf sich darauf begrenzen lässt, im Gegenteil. Wenn er sein Model fotografiert, mit ihm gemeinsam über die Aufnahmen spricht, sie gemeinsam gestaltet, so entlockt er seinem Gegenüber vielleicht noch eine andere Sichtweise auf sich selbst und lernt sein Model natürlich bei dem Shooting weiter kennen und auch wertschätzen. Wenn bei beiden die Chemie zusammenkommt, wird man sich vielleicht zu einem erneuten Shooting wieder treffen. Die Achtung vor dem anderen bleibt immer da, so sollte es zumindest immer sein.
   Was beim Fotografen anders ist, als an einem Betrachtenden Mensch, das ist die Tatsache des Bildes. Ihm ist gelegen an der Dokumentation der Schönheit und des Gefallens. Während der Hinsehende das Bild in sich aufnimmt, versucht der Fotografierende den Augenblick zu erhalten. Die Gründe dafür sind so vielfältig, wie es Fotografen gibt. Vereinigemd ist der Dokumentationsgedanke, die anschließende Verwendung liegt in gemeinsamer Entscheidung zwischen Fotograf und Model.
   Bezahlt das Model den Fotografen, so entscheidet das Model, bezahlt der Fotograf das Model, entscheidet der Fotograf. Bilder auf Gegenseitigkeit stehen in bestimmten Grenzen beiden zur Verfügung. Sobald der kommerzielle Weg beschritten wird, fällt eine Beteiligung an den anderen Part.
   Bilder gegen die gegenseitige Leistung zu fertigen ist keine Sache von Status, jedes Model und jeder Fotograf können es gestalten, wenn beide dadurch auf ihrem Wege weiter gebracht werden. Selbst Naomi Capbell tut es, wenn ein begnadeter Fotograf wie Peter Lindbergh anfragt, und auch Diane West macht es, wenn Cindy Crawford anfragte.
   So ist die Fotografie ein Mittel zur Beurteilung seiner selbst durch die Augen der Kamera und des Fotografen. Er fotografiert nichts von dem, was nicht da ist, er kann nur bestimmte Sachen betonen und andere verstecken.
    Ein tolles Abenteuer kann jedes Mal von neuem stattfinden, wenn man den selben Menschen in immer wieder neuem Licht der Kamera wieder finden kann!

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Körperformen in der Kunst(geschichte) (48)

modo jeans hintern   Mies-Vandenbergh-Fotografie
Mies-Vandenbergh-Fotografie
Syssiphus lässt grüßen
Die Schönheit lässt mich mal wieder zum Stifte greifen. Ja Stifte, denn einen Teil der Texte kann ich mit meinem "Pen" ins "Note" eingeben. Geht ganz gut. Doch zum Eigentlichen: Schönheit war in meinen letzten Schriften ein wesentliches Thema. Über den Inhalt der Bücher, die ich darüber gelesen habe und lese, habe ich mit einigen Menschen eine rege Disskussion beginnen können. Deren Verlauf möchte ich hier gerne in Teilen wiedergeben. Der Sinn und Zweck dahinter liegt in meinem grundsätzlichen "Hinterfangen", die ehrenwerte Gesellschaft heimlich immer wieder in Frage zu stellen und Unruhe in Form von Gedankenspielen zu stiften. Der gesellschaftskritische Leser mag also gespannt weiterlesen, der interessierte Leser kann sich aufrütteln lassen.
"Schönheit ist relativ". Sagt wer? "Man"! (mit einem "m") Die Gesellschaft ist "man". Also wir alle? NEIN! Dazu komme ich gleich. Welche Kräfte sind es denn, die feststellen, dass Schönheit relativ ist? Du? Ich? Die Medien? Die Trendsetter der Zeitschriften und Magazine, die Anbieter der Konsumgüter oder die Kunden der Werbeargenturen, die sich nur nach ihrer Zielgruppe, also uns, richten. Spielen die (nicht mehr ganz so) neuen Medien eine Rolle bei der Festlegung des Schönheitsmaßstabes?
Über den Einfluss der Bilderflut von manipulierten Fotos in allen Medien habe ich schon vorher spekuliert, wie diese uns selber manipulieren ebenfalls. Worum geht es also jetzt? Ich stelle die Frage nach den Trendsettern! Wer genau diktiert zum Beispiel, dass nahe der Magersucht stehende, knapp über 14 Jahre alte Modelle das Ideal der Schönheit verkörpern? Was erzeugt ein Gesicht mit deutlichem Kindchenschema im Betrachter, bei der nach jugendlich-schlanker Schönheit suchenden Masse der visuellen Wesen? Bei Männern als Zielgruppe leuchtet es vielleicht jedem ein. Männer sehen gerne "schöne" kompatible Wesen vor sich, um dem Sinn der Menschheit Rechnung zu tragen, nämlich deren Erhaltung mit möglichst idealem Erbgut fortzuführen. So trivial mag es einerseits sein, doch ich frage andererseits, warum es temporal (im Laufe der Menschheitsgeschichte), regional (gebietsbezogen) und ethnisch (je nach Glaubensauslegung) bei den vielen Vorlieben der Menschen mal in die eine Richtung (schlank) und mal in die andere Richtung (füllig) schwenkt. Kann es nur eine Modeerscheinung sein? Ist gerade schlank in, und wechselt das, sobald wir uns daran satt gesehen haben? Dazu ist es für mich wichtig zu beleuchten, wie die Entwicklung und Veränderung in der Vergangenheit von statten ging. Um es vorweg zu nehmen, es könnte in der Tat eine Modeerscheinung sein.
Beginnen werde ich mit der Darstellung und Veränderung des Ideals in den Epochen der letzten Jahrhunderte. Ich orientiere mich anhand der bildenden Kunst und der niedergeschriebenen Erkenntnisse verschiedener Autoren. Der Tenor dieser Betrachtung widmet sich erneut dem weiblichen Geschlecht. Die Gründe dafür habe ich im Vorfeld schon hinreichend benannt.
Welche Epochen haben mir auf meiner Reise besonders viele Beispiele für die Beschreibung eines Ideals beschert? Auf das (1.) Altertum konnte ich hier schon eingehen. Dort beginnend folge ich den Epochen mit bedeutenden Malern, von denen ich eine Darstellung des Körpers fand.
313 frühchristliche Kunst
450 750 Merowingische Zeit   Beginn der Buchmalerei
750 950 Karolinger Sakramentar Karls des Kahlen
950 1050 Ottonik Fresken der Kirche St. Georg in Oberzell (Reichenau)
1050 1200  Romanik  Gemälde an Kirchenwänden und Plastiken an 
                     Kirchenfassaden
1140 - 1200 Frühgotik  Glas- und Altarmalerei
1200 - 1300 Hochgotik
1300 - 1400 Gotik, beginnender Naturalismus, Siennensischer Einfluss
( Giotto - Das letzte Gericht)
1400 - 1500 Realismus Spätgotik Bürgertum

Hubert van Eyck 035
(Hubert) Jan van Eyck - Kathedrale St. Bavo (vor 1426-1432)
Retable de l'Agneau mystique
Jan Van Eyck s.o.
GardenED
Hieronymus Bosch - Der Garten der Lüste (zwischen 1480 und 1505)
1400 - 1510 Frührenaissance 
File:Study for the Kneeling Leda.jpg
Leonardo da Vinci - Kniende Leda (1505-1507)
1500 - 1530 Hochrenaissance
Durer Adam and Eve
Dürer - Adam und Eva (1507)
Jan Gossaert 008
Jan Gossaert (1516)
 Galatea Raphael
Raffael - Galatea (1512)
Lucas Cranach d.Ä. - Das Urteil des Paris
Lucas Cranach d.Ä. - Das Urteil des Paris (1528)
1530 - 1550 Manierismus
Hans Baldung - The Seven Ages of Woman - WGA01191
Hans Baldung Grien - Die sieben Lebensalter des Weibes (1544)
Hans Baldung 026
Hans Baldung Grien - Zwei Hexen (1523)

1530 - 1560 Subjektivismus
Venus and Adonis by Titian
Tizian - Venus und Adonis (1553)
1520 - 1600 Spätrenaissance
File:Leda.jpg
Michelangelo (Buonarroti) - Leda (1530)
1520 - 1580 Spätrennaissance Tragik
Tintoretto - Penitent Magdalene - Google Art Project
Tintoretto - Büßende Magdalena (1598 - 1602)
File:Jacopo Tintoretto - Women Playing Music - WGA22668.jpg
Tintoretto - musizierende Frauen (1550-1582)
1580 - 1630 Frühbarock
El Greco 042
El Greco - Hochzeit zu Kana (um1610)
Michelangelo Merisi da Caravaggio, Saint John the Baptist (Youth with a Ram) (c. 1602, Yorck Project)
Michelangelo Merisi da Caravaggio - Hl. Johannes der Täufer (1602)
1630 - 1730 Barock Klassizissmus
Rembrandt Harmensz. van Rijn 151
Rembrandt Harmensz. van Rijn - Susanna (1636)
RokebyVenus
Diego Velázquez - Venus vor dem Spiegel (1647-1651)
The Three Graces, by Peter Paul Rubens, from Prado in Google Earth
Peter Paul Rubens - Die Drei Grazien (um 1635)
1680 - 1720 Barock
Antonio Bellucci - Danaë - WGA1846
Antonio Bellucci - Danaë (1700-1705)
1730 - 1780 Rokkoko
Boucher Diane sortant du bain Louvre 2712
Francoise Bucher - Diana nach dem Bade 1742
1730 - 1820 Spätbarock
Odysseus und Penelope (Tischbein)
Johann Heinrich Wilhelm Tischbein - Odysseus und Penelope (1802)
1770 - 1850 Romantik (C.D.Friedrich, W.Turner)
Francesco Hayez 004
Francesco Hayez - Badende (1832)
Carl Spitzweg 004
Carl Spitzweg - Badende Nymphe (1855)
1830 - 1880 Realismus (Max Liebermann)
Gustave Courbet - Lot and His Daughters - WGA5455
Gustave Courbet - Lot und seine Töchter (1844)
1850 - 1900 Impressionismus (Monet Kandinski Nolde)
File:Jules LeFebvre - Jeune peintre des masque Grec, 1865.jpg
Jules LeFebvre - Jeune peintre des masque Grec, (1865)
Henri Rousseau 004
Henri Rousseau - Der Krieg (1894)
Renoir Nude c.1872
Pierre-Auguste Renoir - Nackte (1872)
Paul Cézanne - Baigneuses (Metropolitan Museum of Art)
Paul Cézanne - Badende (1875)
1890 - 1910 Jugendstil Pointilismus (Klimt Seurat Van Gogh)
File:Georges Seurat - Les Poseuses.jpg
Georges Seurat - Les Poseuses (1888)
1907 - 1915 Kubismus (Picasso Braque)
1900 - 1930 Expressionismus (Van Goch Gogin Nolde)
1922 - 1930 Surrealismus (Dali Magritte)
1920 - 1940 Art Deco
1920 - 1970 Moderne (Warhol Lichtenstein Hundertwasser)
1950 - 2000 Postmoderne
1990 - 2013 Gegenwart
Anhand der Malereien lässt sich eine Tendenz der jeweiligen Zeit ablesen. Ich habe diese Bilder stellvertretend für mehrere Bilder der Epoche ausgewählt, es lassen sich viele Hundert mehr Bilder finden, die sich als Zeitzeugnis für die Richtung, das Verständnis von Schönheit heranziehen lassen.  Über die Körperform könnte man folgende Entwicklung in einem Diagramm darstellen:
Diagramm Körpervoumen
Wie es weiter geht, das werden unsere Kinder gestalten. Klären wir sie auf!
PS. Alle Bilder von Gemälden sind gemeinfrei!

Samstag, 6. Dezember 2014

Körper - Aquarelle (46)

Schon früher habe ich über die Formen des menschlichen Körpers nachgedacht und die Berichte über die von Sozialwissenschaftlern und Forschern durchgeführten Beobachtungen und Experimente gelesen oder mehr noch verschlungen. Vom Aussehen der hübschen Mädchen an unserer Schule inspiriert und vor dieser Zeit erstmalig mit dem anderen Geschlecht in Berührung gekommen - zur Zeit der Grundschule - kamen die wohl von nahezu jedem Kind oder Jugendlichem erlebten "Doktorspiele" vorab zu meinen ersten Erfahrungen. Wir wohnten in einem Mehrfamilienhaus mit 10 Parteien, unter denen neben uns noch zwei Familien mit Kindern unseres Alters lebten. Da wir uns gut kannten, kamen wir einmal dazu, im Zuge der Entdeckung unserer Geschlechter, dies doch mal genauer zu untersuchen. So verabredeten wir uns nachmittags im Partykeller, um dort heimlich vor den Erwachsenen verborgen, zu betrachten, wie es beim anderen aussieht. Zu fünft mit zwei Jungs und drei Mädchen sahen wir nun liegend auf einem Sofa nach, wie es denn aussah. Das Bild von Rembrandt van Rijn "Die Anatomie des Dr. Tulp" könnte da fast eine Kopie der Situation darstellen! Völlig ohne irgendwelche Hintergedanken gaben wir unserer Neugier nach und in der Zeit nach diesem Abend gingen wir alle mit zwar einem leichten Lächeln, aber insgesamt ganz normal - wie vorher - freundschaftlich miteinander um.
Gruppe
Nach diesen spannenden Erlebnissen kamen die Zeiten der Oberschule und das sollte die Entwicklung meines Verständnisses von Beziehungen zum anderen Geschlecht prägen. Dazu aber zu einem späteren Zeitpunkt mehr.
Ich sah gerne die Mädchen an und ich habe schon immer auf die Proportionen geschaut. In wie weit das bei anderen Jugendlichen der Fall war entzieht sich meiner Kenntnis. Bei meinen Freunden war es unterschiedlich, es waren die Gesichter wichtig, der Busen, die Erscheinung oder die Figur. In diesem Alter wechselten unsere Vorlieben häufiger, wenn man das überhaupt so beschreiben kann. Ich meine, am wichtigsten war für uns damals das Gesicht. Ich habe aus meinen damaligen Tagen alte Aufzeichnungen durchgesehen und ich erinnere mich ebenso daran, dass ich schon damals sehr viel Wert auf den "Verlauf" legte, wie ich es beschrieb. Ich meinte damit genau die Körperregion von den Oberschenkeln bis zur Hüfte. Ich war und bin noch immer von diesen Linien fasziniert. Ausdruck habe ich dem schon immer in Form der Fotografie gegeben, doch vor einigen Jahren zusätzlich damit begonnen, in der Malerei eine Darstellungsform für die Wiedergabe der Faszination zu finden oder besser gesagt damit meine Vorstellung davon zu manifestieren. Bilder als Ausdruck einer Odyssee der inneren Reise zwischen eigenen Vorlieben und Wünschen, dazu die Irrungen und Wirrungen des Erwachsenwerdens, das keineswegs je mit dem 18. Lebensjahr abgeschlossen wurde. Selbst im Alter von Ü40 entwickelt sich die Sichtweise weiter, vermutlich wird es wie das Gesamtbild ein Teil des Lebenswerkes.
Hier wiedergegeben habe ich zwei Bilder in der Aquarelltechnik, in denen die Farbe Sienna dominiert. Die Formen und Linien beschreibend habe ich eines der Bilder monochrom gemalt, das andere fast monochrom. Bei der Ansicht soll der Betrachter auf sein eigenes Vorstellungsvermögen zurückgreifen, ohne dass ich eine detaillierte Bildaussage vorgeben möchte. Einzig die Linien sind deutlich gemalt, die Formvollendung findet in der Gedanken- und Gefühlswelt des Betrachters statt. Ich sage mit den Bildern aus, was ich für mich selbst in ihrem Motiv erkenne, soweit ich die Fertigkeit zur Umsetzung dessen beherrsche; bei jedem Menschen kommt es in Folge der eigenen Idee von Schönheit und Kunst zu einer Differenz oder Vielfalt in der Botschaft des Bildes. Lasse ich also die Bilder wirken.
soli kl
Zur Aussage der bildenden Kunst möchte ich meine Erfahrung bei der Fertigung von kleinen Skulpturen erzählen, das in einem der nächsten Beiträge. Ich habe die Skulpturen nach einem Bildnis in meinen Gedanken gearbeitet.