Donnerstag, 11. Dezember 2014

Körperformen in der Kunst(geschichte) (48)

modo jeans hintern   Mies-Vandenbergh-Fotografie
Mies-Vandenbergh-Fotografie
Syssiphus lässt grüßen
Die Schönheit lässt mich mal wieder zum Stifte greifen. Ja Stifte, denn einen Teil der Texte kann ich mit meinem "Pen" ins "Note" eingeben. Geht ganz gut. Doch zum Eigentlichen: Schönheit war in meinen letzten Schriften ein wesentliches Thema. Über den Inhalt der Bücher, die ich darüber gelesen habe und lese, habe ich mit einigen Menschen eine rege Disskussion beginnen können. Deren Verlauf möchte ich hier gerne in Teilen wiedergeben. Der Sinn und Zweck dahinter liegt in meinem grundsätzlichen "Hinterfangen", die ehrenwerte Gesellschaft heimlich immer wieder in Frage zu stellen und Unruhe in Form von Gedankenspielen zu stiften. Der gesellschaftskritische Leser mag also gespannt weiterlesen, der interessierte Leser kann sich aufrütteln lassen.
"Schönheit ist relativ". Sagt wer? "Man"! (mit einem "m") Die Gesellschaft ist "man". Also wir alle? NEIN! Dazu komme ich gleich. Welche Kräfte sind es denn, die feststellen, dass Schönheit relativ ist? Du? Ich? Die Medien? Die Trendsetter der Zeitschriften und Magazine, die Anbieter der Konsumgüter oder die Kunden der Werbeargenturen, die sich nur nach ihrer Zielgruppe, also uns, richten. Spielen die (nicht mehr ganz so) neuen Medien eine Rolle bei der Festlegung des Schönheitsmaßstabes?
Über den Einfluss der Bilderflut von manipulierten Fotos in allen Medien habe ich schon vorher spekuliert, wie diese uns selber manipulieren ebenfalls. Worum geht es also jetzt? Ich stelle die Frage nach den Trendsettern! Wer genau diktiert zum Beispiel, dass nahe der Magersucht stehende, knapp über 14 Jahre alte Modelle das Ideal der Schönheit verkörpern? Was erzeugt ein Gesicht mit deutlichem Kindchenschema im Betrachter, bei der nach jugendlich-schlanker Schönheit suchenden Masse der visuellen Wesen? Bei Männern als Zielgruppe leuchtet es vielleicht jedem ein. Männer sehen gerne "schöne" kompatible Wesen vor sich, um dem Sinn der Menschheit Rechnung zu tragen, nämlich deren Erhaltung mit möglichst idealem Erbgut fortzuführen. So trivial mag es einerseits sein, doch ich frage andererseits, warum es temporal (im Laufe der Menschheitsgeschichte), regional (gebietsbezogen) und ethnisch (je nach Glaubensauslegung) bei den vielen Vorlieben der Menschen mal in die eine Richtung (schlank) und mal in die andere Richtung (füllig) schwenkt. Kann es nur eine Modeerscheinung sein? Ist gerade schlank in, und wechselt das, sobald wir uns daran satt gesehen haben? Dazu ist es für mich wichtig zu beleuchten, wie die Entwicklung und Veränderung in der Vergangenheit von statten ging. Um es vorweg zu nehmen, es könnte in der Tat eine Modeerscheinung sein.
Beginnen werde ich mit der Darstellung und Veränderung des Ideals in den Epochen der letzten Jahrhunderte. Ich orientiere mich anhand der bildenden Kunst und der niedergeschriebenen Erkenntnisse verschiedener Autoren. Der Tenor dieser Betrachtung widmet sich erneut dem weiblichen Geschlecht. Die Gründe dafür habe ich im Vorfeld schon hinreichend benannt.
Welche Epochen haben mir auf meiner Reise besonders viele Beispiele für die Beschreibung eines Ideals beschert? Auf das (1.) Altertum konnte ich hier schon eingehen. Dort beginnend folge ich den Epochen mit bedeutenden Malern, von denen ich eine Darstellung des Körpers fand.
313 frühchristliche Kunst
450 750 Merowingische Zeit   Beginn der Buchmalerei
750 950 Karolinger Sakramentar Karls des Kahlen
950 1050 Ottonik Fresken der Kirche St. Georg in Oberzell (Reichenau)
1050 1200  Romanik  Gemälde an Kirchenwänden und Plastiken an 
                     Kirchenfassaden
1140 - 1200 Frühgotik  Glas- und Altarmalerei
1200 - 1300 Hochgotik
1300 - 1400 Gotik, beginnender Naturalismus, Siennensischer Einfluss
( Giotto - Das letzte Gericht)
1400 - 1500 Realismus Spätgotik Bürgertum

Hubert van Eyck 035
(Hubert) Jan van Eyck - Kathedrale St. Bavo (vor 1426-1432)
Retable de l'Agneau mystique
Jan Van Eyck s.o.
GardenED
Hieronymus Bosch - Der Garten der Lüste (zwischen 1480 und 1505)
1400 - 1510 Frührenaissance 
File:Study for the Kneeling Leda.jpg
Leonardo da Vinci - Kniende Leda (1505-1507)
1500 - 1530 Hochrenaissance
Durer Adam and Eve
Dürer - Adam und Eva (1507)
Jan Gossaert 008
Jan Gossaert (1516)
 Galatea Raphael
Raffael - Galatea (1512)
Lucas Cranach d.Ä. - Das Urteil des Paris
Lucas Cranach d.Ä. - Das Urteil des Paris (1528)
1530 - 1550 Manierismus
Hans Baldung - The Seven Ages of Woman - WGA01191
Hans Baldung Grien - Die sieben Lebensalter des Weibes (1544)
Hans Baldung 026
Hans Baldung Grien - Zwei Hexen (1523)

1530 - 1560 Subjektivismus
Venus and Adonis by Titian
Tizian - Venus und Adonis (1553)
1520 - 1600 Spätrenaissance
File:Leda.jpg
Michelangelo (Buonarroti) - Leda (1530)
1520 - 1580 Spätrennaissance Tragik
Tintoretto - Penitent Magdalene - Google Art Project
Tintoretto - Büßende Magdalena (1598 - 1602)
File:Jacopo Tintoretto - Women Playing Music - WGA22668.jpg
Tintoretto - musizierende Frauen (1550-1582)
1580 - 1630 Frühbarock
El Greco 042
El Greco - Hochzeit zu Kana (um1610)
Michelangelo Merisi da Caravaggio, Saint John the Baptist (Youth with a Ram) (c. 1602, Yorck Project)
Michelangelo Merisi da Caravaggio - Hl. Johannes der Täufer (1602)
1630 - 1730 Barock Klassizissmus
Rembrandt Harmensz. van Rijn 151
Rembrandt Harmensz. van Rijn - Susanna (1636)
RokebyVenus
Diego Velázquez - Venus vor dem Spiegel (1647-1651)
The Three Graces, by Peter Paul Rubens, from Prado in Google Earth
Peter Paul Rubens - Die Drei Grazien (um 1635)
1680 - 1720 Barock
Antonio Bellucci - Danaë - WGA1846
Antonio Bellucci - Danaë (1700-1705)
1730 - 1780 Rokkoko
Boucher Diane sortant du bain Louvre 2712
Francoise Bucher - Diana nach dem Bade 1742
1730 - 1820 Spätbarock
Odysseus und Penelope (Tischbein)
Johann Heinrich Wilhelm Tischbein - Odysseus und Penelope (1802)
1770 - 1850 Romantik (C.D.Friedrich, W.Turner)
Francesco Hayez 004
Francesco Hayez - Badende (1832)
Carl Spitzweg 004
Carl Spitzweg - Badende Nymphe (1855)
1830 - 1880 Realismus (Max Liebermann)
Gustave Courbet - Lot and His Daughters - WGA5455
Gustave Courbet - Lot und seine Töchter (1844)
1850 - 1900 Impressionismus (Monet Kandinski Nolde)
File:Jules LeFebvre - Jeune peintre des masque Grec, 1865.jpg
Jules LeFebvre - Jeune peintre des masque Grec, (1865)
Henri Rousseau 004
Henri Rousseau - Der Krieg (1894)
Renoir Nude c.1872
Pierre-Auguste Renoir - Nackte (1872)
Paul Cézanne - Baigneuses (Metropolitan Museum of Art)
Paul Cézanne - Badende (1875)
1890 - 1910 Jugendstil Pointilismus (Klimt Seurat Van Gogh)
File:Georges Seurat - Les Poseuses.jpg
Georges Seurat - Les Poseuses (1888)
1907 - 1915 Kubismus (Picasso Braque)
1900 - 1930 Expressionismus (Van Goch Gogin Nolde)
1922 - 1930 Surrealismus (Dali Magritte)
1920 - 1940 Art Deco
1920 - 1970 Moderne (Warhol Lichtenstein Hundertwasser)
1950 - 2000 Postmoderne
1990 - 2013 Gegenwart
Anhand der Malereien lässt sich eine Tendenz der jeweiligen Zeit ablesen. Ich habe diese Bilder stellvertretend für mehrere Bilder der Epoche ausgewählt, es lassen sich viele Hundert mehr Bilder finden, die sich als Zeitzeugnis für die Richtung, das Verständnis von Schönheit heranziehen lassen.  Über die Körperform könnte man folgende Entwicklung in einem Diagramm darstellen:
Diagramm Körpervoumen
Wie es weiter geht, das werden unsere Kinder gestalten. Klären wir sie auf!
PS. Alle Bilder von Gemälden sind gemeinfrei!

Dienstag, 9. Dezember 2014

Moralia 3 (47)

asba jeans hintern    Mies-Vandenbergh-Fotografie
Mies-Vandenbergh-Fotografie
Geschrei, Zeter und Mordio!
Die bösen Medien verderben unser grundlegend gesundes Verständnis von natürlicher Körperlichkeit. Es werden überall und immerdar nur schöne und schlanke Körper präsentiert. In der Werbung, in den Filmen und in den Anzeigen, in den Serien und in den Shows werden nur glückliche Menschen gezeigt. In den Katalogen und Zeitschriften werden nur schöne Menschen mit Zufriedenheitslächeln und der Optik des erfolgreichen Berufstätigen abgebildet. Frauen werden sogar oft nur als hübsches Beiwerk, begleitend als Ausstattung zum Erreichen des eigentlichen Zieles hinzu addiert, oft zum männlichen Helden, der die Welt in Händen hält oder dieselbige gerade rettet.
Es dürfen auch hier nur junge, schlanke und glücklich schauende Modelle "benutzt" werden. Menschen werden reduziert auf ein künstliches Abbild eines nie da gewesenen Idealmenschen, dessen Omnipräsenz unseren Geist irgendwann schon infiltriert haben wird, wenn man den Verwendern Glauben schenken wollte. Frauen unterliegen besonders diesem Diktat, welches von Männern geschaffen worden sein soll und stets präsent gehalten werden soll.
Die böse Welt, in der wir leben, in der wir all das oben genannte ertragen müssen, könnte so viel besser sein, wenn wir nur davon wüssten. Oder? So könnte man vermuten. Doch ich möchte die Frage bewusst an uns stellen und einen Versuch der Antwort wagen. Enden werde ich dabei wiedereinmal bei unserer Moral. Mir wird wieder die Scheinheiligkeit unserer Gemeinschaft bewusst, die mich antreibt und nicht müde werden lässt, sie (und mich) an den Pranger zu stellen, und wenn es nur mein eigener, persönlicher sein wird.
Beginne ich also mit den unangenehmen Fragen und den fiesen Antworten:
· Wer ist der Konsument, genannt die Zielgruppe dieser Schönmenschenabbilder?
Antwort: WIR!
· Wer sorgt für die hohen Einschaltquoten von Filmen mit durchweg attraktiven Menschen und die unterdurchschnittlichen Quoten bei Filmen mit durchschnittlich attraktiven Menschen?
Antwort: WIR!
· Wer kauft die an Tieren erprobten Schönheitscremes und Haargeeltuben im Supermarkt?
Antwort: WIR!
· Wer verschlingt die neuen Klatsch und Tratsch - Kolumnen in den Tv und Print Medien?
Antwort: WIR!
· Wer klickt im Netz millionenfach auf die Bilder der reichen und besonders die Bilder der schönen Männer und Frauen?
Antwort: WIR!
So ist die Reihe fortzuschreiben, jeder von uns weiß es selbst am besten. Warum ist es denn so?
Wieder ein paar Fragen dazu:
· Willst Du durchschnittlich schöne Menschen im Fernsehen sehen?
· Kaufst Du Produkte, die mit unterdurchschnittlich attraktiven Gesichtern beworben werden?
· Wenn Du es Dir aussuchen könntest, wärest Du lieber überdurchschnittlich schön oder weniger schön?
· Was unternimmst Du alles, um Deine Attraktivität zu erhalten oder zu steigern?
· Wie viel von Deinem mit Deiner Lebensenergie erwirtschafteten Geld bist Du bereit, für Deine Schönheit, also deren Erschaffung, Erhaltung oder Verbesserung zu opfern?
Und nun zum Eingemachten!
Erneut ein paar Fragen!
· Hast Du einen attraktiven Menschen zum Partner?
· Hast Du Dich "schön" gemacht vor Euren ersten Treffen?
· Kleidest Du Dich vorteilhaft, wenn Du ausgehst?
· Um einen Menschen zu beeindrucken, zeigst Du Dich von Deiner alltägliches Seite, nämlich so, wie Du bist, oder spielst Du eine Rolle?
Auch hier könnte ich weitere Fragen stellen, es würden vermutlich immer die gleichen Antworten folgen, nämlich der Mensch steht in Konkurrenz zu seinen Mitmenschen, er meint es zumindest. Daher stellt es sich in einem Licht dar, das "anders" scheint, als das der anderen. Nicht gänzlich versteht sich, denn mit der Mode gehr der Mensch sehrwohl, es kann nur keine ältere Mode sein, denn wenn der Mode alle nachgekommen sind, so ist es keine Mode mehr. Dann muss schon etwas Neues her, das den Menschen erneut aus der Masse abhebt. Die kleinen Zeichen, die den eingeweihten als Erkennungszeichen für ihr Modelabel dient, sind von höchster Wichtigkeit bei der alltäglichen Modeschau der Straße. Was früher(und noch heute) ein kleines (riesiges)Reptil war, ist heute ein ausgestorbener Dickhäuter oder ein schlaues Waldtier, wer nicht so reich betucht oder auf vermutlich nicht so hohe Qualität bedacht ist, greift auf eine Tierspur zurück, um etwas auszusagen.
Um all das auf den Punkt zu bringen:
Der aktive Mensch entwickelt sich weiter. Er unterliegt Veränderungen, die er selbst hervorbringt. Er strebt nach " M E H R " !  Mehr Haben, mehr sein! Zufriedenheit wird in dieser Gesellschaft immer mehr zu einem "knappen Gut".  Der Mensch entwickelt sich. Er möchte schöner sein. Er möchte reicher sein, mächtiger, beliebter, glücklicher, ...  . Er möchte sich gut fühlen! Möchte sich ernsthaft jemand schlechter fühlen? Nein. Was tue ich, um mich mein Leben lang immer ein bisschen besser zu fühlen?  Ich unternehme Dinge, von denen ich denke, dass sie dazu dienen, mich besser zu fühlen. Mich glücklicher zu fühlen. Was das ist, das erkennt jeder selbst, oder es wird ihm vorgelebt, jedem in seinem Habitat auf eine bestimmte Art und Weise und er kann es nachmachen. Er kann natürlich versuchen, es selbst herauszufinden, doch dafür müsste der Mensch die ausgetretenen Pfade mal verlassen. Der ignorante, bequeme, dekadente Durchschnittsbürger der westlichen Zivilisation steht dabei vor einem Dilemma.  Er muss sich bewegen! Körperlich und vor allem Geistig und Seelisch! Das ist anstrengend. Sehr anstrengend. Sich im Strom treiben zu lassen, als Fähnchen im Wind ist doch so bequem, mit einer Tüte Chips auf dem Sofa. Ach, ja, geht doch auch so... Ja, mich mich, mich. Von den anderen ganz zu schweigen. Ich möchte an dieser Stelle nicht noch darauf eingehen, was der Zwischenmenschlichkeit und Empathie geschuldet hinzu kommt, das werde ich gerne in einem weiteren Beitrag tun.
Der Mensch möchte das positive Erlebnis, die positive Erkenntnis, die positive Veränderung seiner Bilanz auf dem Konto der Gefühle, des Aussehens, des Habens, der Zufriedenheit. Erreichen wir diese positive Bilanzierung mit negativen Erlebnissen oder mit guten, schönen, erfolgreichen Inhalten? Ich bin in einem Zustand, in dem ich denke, es sollten die positiven sein!
Das gestaltet sich so:
Ich sehe im Fernsehen lieber schöne Menschen. Ich habe lieber eine schöne Frau zu meiner Ehefrau. Ich habe lieber gutaussehehnde Freunde. Ich habe lieber schöne Kinder. Ich sehe mir lieber gute Bilder an. Ich gehe lieber gutes Essen essen. Ich fahre lieber schöne Autos. Ich ziehe lieber schöne Kleidung an. Ich sehe lieber schöne Tiere im Zoo. Ich sehe lieber schöne Menschen auf der Straße. Ich gehe lieber ins Kino, wenn schöne Menschen dort eine Rolle haben. Ich sehe mir lieber schöne Pflanzen in der Natur an. Ich gehe lieber durch schöne Wälder. Ich laufe gerne in schönen Schuhen. Ich trage gerne ein schöne Armbanduhr. Ich sehe lieber schöne Zähne beim Gegenüber. - Wie lang kann die Liste werden?
Ist das alles wahr? Manches ja, manches weniger, manches nicht. Jeder kann für sich selbst überdenken, was er oder sie bejahen würde und was nicht. Und was ist die Folge davon?
Möchte ich angesehen werden/sein, so muss ich mich entsprechend verhalten! Warum reicht nicht die Kutte der Mönche?
Fazit: Ich sehe gerne hin und wieder einen wohlgeformten Hintern und freue mich, dass es viele Frauen gibt, die diese Schönheit hin und wieder gerne zeigen.

Samstag, 6. Dezember 2014

Körper - Aquarelle (46)

Schon früher habe ich über die Formen des menschlichen Körpers nachgedacht und die Berichte über die von Sozialwissenschaftlern und Forschern durchgeführten Beobachtungen und Experimente gelesen oder mehr noch verschlungen. Vom Aussehen der hübschen Mädchen an unserer Schule inspiriert und vor dieser Zeit erstmalig mit dem anderen Geschlecht in Berührung gekommen - zur Zeit der Grundschule - kamen die wohl von nahezu jedem Kind oder Jugendlichem erlebten "Doktorspiele" vorab zu meinen ersten Erfahrungen. Wir wohnten in einem Mehrfamilienhaus mit 10 Parteien, unter denen neben uns noch zwei Familien mit Kindern unseres Alters lebten. Da wir uns gut kannten, kamen wir einmal dazu, im Zuge der Entdeckung unserer Geschlechter, dies doch mal genauer zu untersuchen. So verabredeten wir uns nachmittags im Partykeller, um dort heimlich vor den Erwachsenen verborgen, zu betrachten, wie es beim anderen aussieht. Zu fünft mit zwei Jungs und drei Mädchen sahen wir nun liegend auf einem Sofa nach, wie es denn aussah. Das Bild von Rembrandt van Rijn "Die Anatomie des Dr. Tulp" könnte da fast eine Kopie der Situation darstellen! Völlig ohne irgendwelche Hintergedanken gaben wir unserer Neugier nach und in der Zeit nach diesem Abend gingen wir alle mit zwar einem leichten Lächeln, aber insgesamt ganz normal - wie vorher - freundschaftlich miteinander um.
Gruppe
Nach diesen spannenden Erlebnissen kamen die Zeiten der Oberschule und das sollte die Entwicklung meines Verständnisses von Beziehungen zum anderen Geschlecht prägen. Dazu aber zu einem späteren Zeitpunkt mehr.
Ich sah gerne die Mädchen an und ich habe schon immer auf die Proportionen geschaut. In wie weit das bei anderen Jugendlichen der Fall war entzieht sich meiner Kenntnis. Bei meinen Freunden war es unterschiedlich, es waren die Gesichter wichtig, der Busen, die Erscheinung oder die Figur. In diesem Alter wechselten unsere Vorlieben häufiger, wenn man das überhaupt so beschreiben kann. Ich meine, am wichtigsten war für uns damals das Gesicht. Ich habe aus meinen damaligen Tagen alte Aufzeichnungen durchgesehen und ich erinnere mich ebenso daran, dass ich schon damals sehr viel Wert auf den "Verlauf" legte, wie ich es beschrieb. Ich meinte damit genau die Körperregion von den Oberschenkeln bis zur Hüfte. Ich war und bin noch immer von diesen Linien fasziniert. Ausdruck habe ich dem schon immer in Form der Fotografie gegeben, doch vor einigen Jahren zusätzlich damit begonnen, in der Malerei eine Darstellungsform für die Wiedergabe der Faszination zu finden oder besser gesagt damit meine Vorstellung davon zu manifestieren. Bilder als Ausdruck einer Odyssee der inneren Reise zwischen eigenen Vorlieben und Wünschen, dazu die Irrungen und Wirrungen des Erwachsenwerdens, das keineswegs je mit dem 18. Lebensjahr abgeschlossen wurde. Selbst im Alter von Ü40 entwickelt sich die Sichtweise weiter, vermutlich wird es wie das Gesamtbild ein Teil des Lebenswerkes.
Hier wiedergegeben habe ich zwei Bilder in der Aquarelltechnik, in denen die Farbe Sienna dominiert. Die Formen und Linien beschreibend habe ich eines der Bilder monochrom gemalt, das andere fast monochrom. Bei der Ansicht soll der Betrachter auf sein eigenes Vorstellungsvermögen zurückgreifen, ohne dass ich eine detaillierte Bildaussage vorgeben möchte. Einzig die Linien sind deutlich gemalt, die Formvollendung findet in der Gedanken- und Gefühlswelt des Betrachters statt. Ich sage mit den Bildern aus, was ich für mich selbst in ihrem Motiv erkenne, soweit ich die Fertigkeit zur Umsetzung dessen beherrsche; bei jedem Menschen kommt es in Folge der eigenen Idee von Schönheit und Kunst zu einer Differenz oder Vielfalt in der Botschaft des Bildes. Lasse ich also die Bilder wirken.
soli kl
Zur Aussage der bildenden Kunst möchte ich meine Erfahrung bei der Fertigung von kleinen Skulpturen erzählen, das in einem der nächsten Beiträge. Ich habe die Skulpturen nach einem Bildnis in meinen Gedanken gearbeitet.

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Intermotiviale Pfade - Der Weg zur People-Fotografie (45)

baek jeans hintern   Mies-Vandenbergh-Fotografie
Mies-Vandenbergh-Fotografie
Mein spannender Weg zur Körperfotografie, zur Menschenfotografie allgemein gestaltete sich umständlich - aber auch stetig. Wie er sich entwickelte und welche interessanten Umwege ich beschritt, darüber möchte ich in diesem Beitrag schreiben. Wohlwissend, dass ich noch lange nicht an ein Ziel, in einen statischen Zustand gelangt bin, so bin ich der festen Überzeugung, dass dieser Weg, wie es der des ewigen Lernens im Leben ist, auch hier keine Ausnahme bildet. Jeder Mensch, der sich ernsthaft mit der Fotografie beschäftigen "will", der steht mit seinen ersten Bildern in der eigenen Kritik.

   Ich habe zwar schon auf dem ersten Film mit meiner trivialen Kodak "Ritsch-Ratsch-Klick" - Kamera meine damalige französische Freundin abgelichtet, ebenso aber einen Marinezerstörer in Husum, die dortige Jugendherberge sowie die Stadt. Nach der Kodak kam die erste Spiegelreflex und damit begann die eigentliche, spannende Reise durch die unendlichen Motivwelten. Resümierend möchte ich vorwegnehmen, dass ich trotz der ausschweifenden Fotoreihen mit anderen Motiven doch wieder zurück zu den anfänglichen Vorlieben, nämlich der Menschen-Fotografie zurück gekehrt bin.

   Am Anfang war durch das aufkeimende Interesse am anderen Geschlecht schlechthin der Wunsch entstanden nicht nur meine auch aus heutiger Sicht sehr fotogene erste "richtige" Freundin zu fotografieren. Mit offenen Augen durch die Welt gehend gab es für mich schon immer sehr viele in meinen Augen "hübsche" Frauen; als Jugendlicher natürlich eher Mädchen. Nicht jede derer wollte ich fotografieren, ich dachte nur bei einem bestimmten Typus darüber nach, dass genau dieses Mädchen in exaxt dieser Situation, jetzt in diesem Augenblick ein wundervolles Motiv für ein hervorragendes Bildnis hergäbe. Ich möchte an dieser Stelle besonders für die oder den fragende(n) Leser(in) deutlich machen, dass es mir nicht darum ging, all diese Mädchen zu meiner Freundin zu gewinnen, sondern sie zu fotografieren.

   So kam es zu Situationen wie jene, in der meine damalige Partnerin - in gemeinsamen Vertrauen zwischen uns beiden - ihre Klassekameradin, die für mich sehr fotogen war, fragte, ob sie Spaß an einem Fotoshooting hätte. Bald darauf sollte es sich ergeben. Durch die wahre Begeisterung des Modelles über ihre Bilder wurden sogar drei Shootings innerhalb von 2 Jahren daraus. Diese beeinflussten die Partnerschaft mit meiner Freundin nicht. In verfremdeter Form stelle ich eines der Bilder später aus, und zwar deswegen verfremdet, weil ich als 17jähriger noch nichts über Modell-Release wußte, bzw. nicht mal im Ansatz an Veröffentlichung zu denken war und es das Internet schlicht nicht gab. Ja, so lange ist es her! Auch kann ich nicht einfach vom Einverständnis des hübschen Mädchens mit ihren braunen langen Haaren ausgehen, ihr Bild hier zu veröffentlichen.
   So habe ich in den Endsiebzigern und Achtziger Jahren mit der Fotografie begonnen. Nicht alleine habe ich dieses Hobby betrieben, denn während meiner neunjährigen Oberschulzeit waren in meinem direkten Schulfreundeskreis zwei weitere Jungs ebenso ernsthaft an der Fotografie interessiert, wie ich. So unternahmen wir gemeinsam unzählige Fototouren.

Mein Motiv sollte von da an in der kommenden Zeit immer wieder wechseln. Ich empfand es damals - wie heute - niemals verwerflich, wenn sich ein Fotograf nicht auf nur wenige Motive in seiner Fotografie beschränkt. Bei Goethe las ich sinngemäß einmal einen Satz über das Fachidiotentum: Je kleiner sein Reich, desto konzentrierter die Kraft. Meiner Ansicht nach steckt viel Wahrheit darin. Jeder Mensch kann sich dabei selbst aussuchen, wie er in seinem Leben seine Kräfte einsetzen möchte: breit gefächert oder in die Tiefe gehend. Es gibt für beide Richtungen gute Gründe.

   So kam ich zur Natur- und Landschaftsfotografie. Dieses Motiv hat mir durch seine Statik viel über das Thema Bildkomposition vermittelt. Bei gemeinsamen Bildbesprechungen der gleichen Motive mit unterschiedlichen Ergebnissen wetteiferten wir, unterstützt von eigenen "Klugscheißereien" über Betrachtungswinkel, Horizontaufteilung oder fehlendem Vordergrund um das bessere Foto.

An der nächsten Abzweigung des Motivweges geriet ich in die Fänge der Architekturfotografie. In den Metropolen Köln und Düsseldorf, aber auch in Wuppertal und dem Bergischen Land wurden wir leicht fündig. Tilt und Shift noch als unbedeutende Fremdworte abgetan und mangels nicht existenter Rechner mit nicht vorhandenem Gimp oder Photoshop stürzten uns die Linien nur so um die Ohren, wenn wir nicht weit genug weg das Teleobjektiv in Anschlag brachten.

   Manchmal flackerte während der ausgedehnten Städtetouren neben uns das Motivlichtlein der Streetfotografie auf, während uns dieser heute so in Mode gekommene Begriff und das Genre als Motiv völlig unbekannt war. Dennoch hatten wir so manches Motiv als lohnenswert für ein aussagekräftiges Foto bewertet und nach Blenden- und Zeiteinstellung mit dem Schnittbildindikator nach der flüchtigen Schärfeebene gefahndet. Zoos waren und sind weiterhin ein dankbarer Motivdschungel. Tiere ergeben für mich auch heute noch teils interessante, teils dramatische, aber auch skurile und lustige Fotografien. Am See bei uns waren die frechen, nimmersatten Enten ein beliebtes Motiv und vor so manchem fauchendem Höckerschwan mussten wir uns hinter eine Bank retten.

   Trotz all diesen Ausflügen in andere Themenbereiche der Fotografie gesellte sich auf die Filme immer wieder hier und da ein Negativ eines schönen Menschen, vornehmlich das Gesicht und besonders die Linien eines Mädchens. Ich bin aus noch ungeklärter Ursache nicht Fotograf geworden, obwohl ich mich zeitlebens damit beschäftigte. Doch diese Geschichte ist eine andere als diese hier.

   Als vorläufiges Fazit habe ich für mich die Erkenntnis gewonnen, dass mich die aufreibenden Reisen zu den verschiedensten Motiven bei der Entwicklung meines fotografischen "Könnens" unterstützten. Bei der Umsetzung des Erkannten konnte ich häufig die Schwierigkeiten erleben, es einfach anders zu machen. Das Alles geschah in der Zeit während des "restlichen"* Lebens. Die Veränderungen im eigenen Anspruch mal beiseite gelassen, gewährt mir die Einsicht über meine technischen Unzulänglichkeiten mindestens eine Erkenntnis: für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Güte meiner Bilder braucht's mehr als nur ein Forum oder ein Bildhoster mit Favoriten oder "Like" - Häckchen - Funktion. Persönliche Besprechungen mit Leidensgenossen oder nichtvirtuellen Bildansehern kann ich nur wärmstens empfehlen.

   Ich empfehle desgleichen jedem Fotografie-interessiertem weite Ausflüge in die verschiedensten Motivwelten. Im weiteren Verlauf jedoch halte ich eine Vertiefung von wenigen Motiven als diffuses Ziel für lohnenswert, dies in Angriff zu nehmen. Es bedeutet ja nicht eine starre Festlegung auf ewig. Ein gelegentlicher Blick über den Tellerrand verhilft einem entweder zur weisen Erkenntnis, dass man doch eine andere Richtung der Fotografie im Blut hat oder die Erkenntnis, dass man in den bekannten Gewässern wunderbare "Landschaften" dokumentiert.

    Noch eine abschließende Bemerkung über die Familienfotografie: Auch wenn viele Fotografielehrer in ihrer Lehre diesen Zweig der Fotografie gleichbedeutend mit allen anderen Bereichen als lehrwürdig betrachten, so möchte ich dem einen Gedanken entgegenhalten, der mich am Ziel dessen zweifeln lässt: Wenn ich mich in der Fotografie bilden möchte, so mache ich mir Gedanken über viele Bedingungen des Abbildens, ich lerne viel über Dinge wie Einstellungsmöglichkeiten, Licht und Dunkelheit. Doch ich meine, jedes Bild der Familie, das aus lehrfotografischer Sicht nicht gemacht wurde ist ein verlorenes Bild. Lieber 30 mittelmäßig fotografierte Bilder des Kindes bei nur einem gelungenem, als auch nur ein einziges, verpasstes Bild, denn in Zeiten des kostenlosen Speicherns der Bilder ist es einerlei. Mit der Zeit sollte sich die Art und Weise der Abbildungen beim ambitionierten Fotografen zwangsläufig weiter entwickeln. Will man aber das Familienleben vielleicht in Form von Jahresfotobüchern dokumentieren, für die Nachkommen Aufnahmen zusammenstellen, so meine ich, man solle lieber einmal mehr auslösen.
* Das wirkliche Leben ist für mich sehr plakativ gesagt weiterhin die Vereinigung von Selbstentwicklung und - vor allem - Partnerschaft mit Familie inklusive allen Baustellen und Nebenkriegsschauplätzen wie täglicher Hausaufgaben - Hilfestellung zur selbstständigen Erledigung derselben durch die lieben Kinder.

Dienstag, 2. Dezember 2014

Die Erschaffung eines Images (44)

bae jeans hintern   Mies-Vandenbergh-Fotografie
Mies-Vandenbergh-Fotografie
   Mit einer Fotografie kann der Fotograf ein Image eines Menschen erschaffen. Abbilden wird der Fotograf mit seiner Kamera "nur" das, was er sieht! Vordergründig betrachtet ist es richtig, doch es steckt hinter einer Aufnahme, die der Betrachter, also wir, zu sehen bekommen, bekanntlich viel mehr. Unter den vielen Gestaltungsmöglichkeiten einer Fotosession mit einem Menschen finden sich Mittel und Wege, die Person in den unterschiedlichsten Facetten wiederzugeben. Aus dem Modell lässt sich ein Engel machen oder ein Vamp.
  Wir als Betrachter der vielen Modell-Ikonen wie Christy Turlington, Laetitia Casta oder Milla Jovovic können allein unter ihren bereits veröffentlichten Fotografien viele verschiedene Gesichter und auch Charaktäre ausmachen. Der Einfluss des Fotografen ist einfach wesentlich, gibt es doch unendlich viele Knipser und Hobbypaparazzi auf der einen und wirkliche Fotografen, deren Bilder in Ausstellungen und Büchern zu bestaunen sind, auf der anderen Seite. Nebenbei bemerkt habe ich weder Ausstellung noch Buch publiziert. ;-) Auch soll es keine Wertung eines Menschen sein nur des "Fotografen¨.
   Was ein Fotograf vom Format wie zum Beispiel Peter Lindbergh aus einem Menschenbildnis machen kann, das finde ich überaus bewundernswert. Es spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle, mit welcher Kamera er das macht und welches Equipment ihm zur Verfügung steht. Wenn ein Fotograf oder eine Fotografin, gleichwohl ob Profi oder Amateur, sich Gedanken vor einem bestimmten Shooting mit einem Modell macht, so kann er oder sie das Ziel der Aufnahmeserie genau definieren. Will man ein bestimmtes Ergebnis erreichen, sind im Umkehrschluss ganz bestimnte Vorbereitungen unabdingbar. Nicht nur die Ausrüstung meine ich, auch Location, Kleidung/Style, Licht oder Make-up bestimmt die Bildaussage.
Was will ich darstellen, welche Botschaft möchte ich mit einer Fotografie transportieren?
   Wenn ich mir die die Schönheitsvorstellung verkörpernden Modelle der Mode- und Kosmetikindustrie so betrachte, dann kann die Botschaft derer Bilder für mich nur die folgende sein. "Sieh her, ich bin die personifizierte Schönheit, die Du auch erreichen kannst, wenn Du diese oder jene Produkte auch benutzt!" Wir werden mit diesen Ikonen der Schönheit tagtäglich mit einer Intensität konfrontriert, dass man glauben könnte, so würde die Mehrheit der Menschen aussehen. Die Rolle der Medien ist dabei entscheidend, denn erst durch deren Einsatz ist eine so starke Verfügbarkeit erst möglich geworden.
   Wer macht nun diese Bilder. Wer bereitet die Modelle auf die Film und Fotosessions vor? Außer eines Visagisten oder Maskenbildners können viele andere Personen involviert sein. Selbst bei den in den 1990ern und 2000ern in Mode gekommenen Natürlichkeitslooks, auf denen die Modelle wie zufällig auf sehr natürliche Weise dargestellt wurden überließ man nichts dem Zufall und jede noch so zufällig daherfliegende Haarsträhne war genauestens geplant, wie mir ein befreundeter Modefotograf versicherte.
   Mit vielfältigen Mitteln kann der Fotograf den Look eines Menschen verändern. Bei bekannten Gesichtern ist dies besonders deutlich. Meist werden diese Personen des öffentlichen Rechts in sehr ähnlicher Weise abgebildet. Viele derer verkörpern ein bestimmtes Image, welches der Fotograf mit der Art seiner Aufnahmen gestaltet und auch aufrecht erhält. Manch einer von uns wäre regelrecht erschrocken, wenn er eines der Supermodelle oder eine(n) Schauspieler(in) ohne vorhergehendes Styling ansehen könnte.
   Stellen Sie sich ihren Partner oder ihre Partnerin vor, wie sie einmal vollkommen geschminkt und mit modischster Kleidung und Frisur vor ihnen stünde oder - einfach so - im weiten Pyjama mit zerzausten Haaren. Beides ist der selbe Mensch und doch transportiert er eine vollkommen widersprüchliche Bildaussage. Was jetzt hier als krasser Gegensatz genannt wurde, kann im Einzelnen auch etwas sehr diffiziles sein, dass, oberflächlich betrachtet, kaum auffällig ist, aber durch ein Fehlen doch sehr starke Irritationen beim Betrachter erzeugt. Schon ein fehlender Kajalstrich könnte eine ganz bestimmte Härte oder Entschlossenheit im Gesichtsausdruck vermissen lassen. Das kann gewünscht sein, wenn eine natürliche, sanfte Ausstrahlung des Modelles beabsichtigt wird. So lassen sich manche Modelle nur sehr ausnahmsweise mal ohne eine bestimmtes Make-up ablichten.
   Der Fotograf kann die Aussage eines Images des Modelles weiter führen, indem er ein Modell in stets sehr ähnlicher Art und Weise fotografiert, bzw. die Bilder in genau dieser Art weiter bearbeitet, die der gewünschten Optik des Modells oder des Auftraggebers Rechnung trägt. Wenige Modelle haben - meiner Ansicht nach - eine besonders breitgefächerte Vielfalt der darzustellenden Charaktäre oder Looks. Viele sind festgelegt auf wenige bestimmte Rollen. Selbst, wenn sie es versuchten, würden sie mehr von ihrem eigentlichen Image zerstören, als ein neues dazugewinnen.
   Sehr gut zu beobachten ist das bei den Schauspielerinnen, die aus der Familienkommödie oder Vorabend-krankenhausserie stammen und danach eine Tatortkommissarin darstellen sollen. Diese Veränderung gelingt nur sehr selten und wirkt leider unglaubwürdig. Diese Aussage stellt meine persönliche Ansicht dar.
   Viele Modelle haben aus vorgenannten Gründen gerne nur bestimmte Fotografen, weil es diese verstehen, die im Modell vorhandenen besonderen optischen Attribute auf dem Film hervor zu heben, bzw. auf den Chip. Jeder, der fotografiert, hat eine eigene "Sicht der Dinge". So würde auch ein Mensch durch die Augen und schließlich durch die Linse eines jeden Fotografen immer wieder anders dargestellt werden, ohne den wechselnden Gemütszustand des Modells dazu zu bedenken.
   So wie die Menschen in jedem anderen Menschen etwas anderes sehen, so bringt auch jeder Fotograf bestimmte Eigenschaften seines Modells hervor und genau an dieser Stelle beginnt der Einfluss des Fotografen. Er kann sich für Eigenschaft A oder B oder C oder … auf seinen Bildern als Hauptbotschaft entscheiden. Genau danach wird er vermutlich sein Modell instruieren. Wenn auch die Auswahl der Bilder im persönlichen Bereich durch das Modell selber erfolgt, so kann es dennoch ausschließlich zwischen den geschossenenen Images (=Bildern) auswählen. Andere gibt es nicht.
   Bis hier her bin ich noch nicht mal auf die Frage eingegangen, in wie weit die eigene Sichtweise des Modelles mit in die Bilder einfließt. Die abschließende Frage am Ende der Session bei der Betrachtung der Bilder ist dann, ob sich das Modell so wiedererkennt, wie es meint zu sein oder auszusehen! Stimmen da die Sichtweisen des Modells und des Fotografen überein oder nähern sich an? Oder soll es gar nicht so sein und der Fotograf soll viel mehr etwas im Modell hervorheben/ entdecken / erschaffen. Etwas, von dem das Modell meint, das er oder sie es vielleicht nicht verkörpere oder ausgedrücke, der Fotograf solle es aber erschaffen und in die Bildaussage transferieren.
Möglicherweise kann es für ein Modell sehr spannend sein, den Fotograf in einem Teil des Shootings freie Hand zu lassen und Ansichten kreieren zu lassen, in denen sie oder er sich kaum wiedererkennt. Immer wird es dabei ein Abbild des Menschen sein, das jedoch stark verfremdet sein kann und ganz oft ist. Denn eines ist heutzutage ganz sicher: So gut wie keinem Bild ist mehr zu trauen, dass man nicht selber bearbeitet hat! ;-)

<!--more

Bleistiftzeichnungen von Poformen (43)

nov jeans hintern   Mies-Vandenbergh-Fotografie
Mies-Vandenbergh-Fotografie
Linien, nichts als Linien und dennoch erregen diese Linien unsere Aufmerksamkeit. In diesem Beitrag stelle ich Bilder von Körperformen dar, die ausschließlich durch ihre Kontur auf uns wirken. Jemand könnte sagen, es wäre kein Inhalt in den Bildern zu finden und ich würde ihm Recht geben, jedoch nur auf den ersten Blick. Diese Linien stellen Bleistiftzeichnungen dar, und zwar nur die äußeren Konturen menschlicher Körper. Mit Inhalt füllen wir selbst - ich meine damit unsere interprätative Vorstellungskraft. Nicht zuletzt gibt natürlich der Titels dieses Blogs den entscheidenden Hinweis. Aber ich denke, jeder wird sofort diese Konturen erkennen. Warum aber ist es so? Warum erkennen wir sofort, was es A: IST, und B: VON WELCHER GÜTE ES UNS ZU SEIN SCHEINT.
tusch C01tusch C03tusch C02  tusch C06tusch C04 tusch C05  tusch C07
So wie bei den Scherenschnitten, die uns eine Geschichte vermitteln, von der wir den Inhalt bestens auffassen, so, wie die gelungene Gegenlichtaufnahme eines menschlichen Körpers uns meist auch etwas über die Körperform verrät, so ist es auch bei diesen unscheinbaren Bleistiftzeichnungen. Wir erkennen sehr gut die Proportionen des Menschen. Wir sehen sehr gut, ob der Körper - nach unserer Vorstellung - ebenmäßig gewachsen ist, ob er klein oder groß dimensioniert ist, ob er schlank oder dick ist, ob er gerade dasteht oder verdreht und vor allem, ob er uns anspricht oder nicht!
Wenn ich in einem meiner vorherigen (Link) Artikel schon über die Bedeutung der unteren Rückenpartie geschrieben habe, so möchte ich hier daran anknüpfen und die weiteren Linien des Körpers anhand von vor allem Bildern aber auch Worten beschreiben. Ich fand es sehr spannend im Verlauf dieses Artikels zu erkennen, wie sich die nur kleinste Veränderung der Linienführung auf unsere Attraktivitätsbeurteilung auswirkt. Ich konnte meinen Freundinnen und Freunden diese Fragen in Form von Bildern stellen und die Antworten waren insofern interessant, als dass die Ergebnisse und Schlüsse daraus allesamt sehr ähnlich waren.
Das kann der Leser gerne mal für sich selbst überprüfen. Vergleiche für Dich die unterschiedlich bearbeiteten Körpersilhouetten und lese weiter unten im Fazit nach, welche Formen des Körpers wie von meinen ausgesuchten Probanden bevorzugt wurden und wo Zweifel bestanden, natürlich unrepräsentativ.
Nun ist es wiederum sehr spannend auf die Attraktivitätsforschung zurück zu greifen, und daraus wiederum die Erkenntnisse von der Bedeutung der Symmetrie zu Rate zu ziehen und das - in etwa - auf die Liniendarstellungen zu übertragen. Damit ergibt sich folgendes Bild: Je gleichmäßiger die Proportionen des menschlichen Körpers sind, desto attraktiver mutete er den Befragten an. Und je symmetrischer die Linien in Beziehung zu einander stehen, desto größer war die positive Zustimmung zum Aussehen der Körperlinien.
Als Begründung dafür läßt sich auch hier wieder der archaische Grundsatz der Arterhaltung anwenden. Menschen mit einer "gesunden" Proportion haben vermeintlich gute Gene in sich, die vermutlich zu einen gesunden Nachwuchs führen werden. Von dieser einfachen Denkart, welche den deutlichen Ergebnissen der Attraktivitätsforschung entliehen sind, kann ich sehr einfach Rückschlüsse auf die Gefühle und Gedanken, die Reaktionen und Reflexe der Menschen wagen, die nachvollziehbar und erklärlich sind.
Tusch B1Tusch B2Tusch B4 Tusch B5Frage ich den Hinseher, warum er ein Abbild eines Menschen für attraktiv halte und ob es wünschenswert sei, diese Person kennen zu lernen, so wird eine Begründung dergestalt folgen, dass eine "schöne, hübsche, gutaussehende" Person vor ihm oder ihr stünde, von der er oder sie sich gut vorstellen könne, diese kennen zu lernen. Der befragte Mensch ist damit interessiert an diesem Menschen. Würde das Interesse auf Gegenseitigkeit beruhen, wäre eine Beziehung wahrscheinlich. Die eigentliche Frage der Untersuchung liegt aber bei der Aussage des Menschen über die Begründung der Attraktivität. "Warum findest Du diese Person gutaussehend?"
Nun sind die Bleistiftskizzen keine realen Personen, deren Besonderheiten fast immer viel mehr aus machen, als das vergängliche Aussehen. Ich werde mit dem Menschen, den ich einst ansprach, weil er oder sie attraktiv für mich war/ist, auch dann noch zusammen leben wollen, wenn wir alt und grau sind, um auf einer Bank im botanischen Garten sitzend über die Schönheit einer zart in Blüte stehenden Stewartia pseudocamelia sprechen und uns liebevoll zulächeln und an der Hand halten.
Was also bewegt uns, wenn wir, als Single versteht sich selbstredend, an einem verregnetem Novembertag in einem Cafe sitzend, einer Zeitung unsere Aufmerksamkeit schenkend aufblicken, einen Menschen anblicken, der uns berührt, den wir als attraktiv empfinden und deshalb anlächeln. Der Mensch lächelt vielleicht zurück und es ergibt sich weiteres.
"Sind es die Augen, die Haare, die Figur oder etwas anderes, was in mir dieses Interesse an dir erweckte?" Es muss natürlich nicht die Figur sein, die mir als erstes auffällt, doch ich denke, früher oder später wird jeder Mensch einen Blick "riskieren" auf die Schultern, die Beine, den Busen, den HINTERN! Ob es wichtig ist oder bleibt, oder nicht so wichtig ist wird sich ergeben. Da die meisten Menschen nicht den vollkommenen Körper vorweisen können oder wenn doch, dann mit tödlicher Sicherheit nicht ewig behalten werden, wachen wir auf Dauer mit dem ein oder anderen Makel seines Partners auf. Und er mit uns! Im Moment des Kennenlernens spielt die Optik dennoch eine entscheidende Rolle. Vielleicht ist die Frau oder der Mann nicht das Modell aus der Werbung, doch Etwas oder Mehreres hat uns bekannt gemacht. Und gefällt uns, rein optisch. Hier behaupte ich einfach mal, dass das auf uns fast alle zutrifft. Die Forschungsergebnisse sagen aus, dass zunehmend symmetrische Formen die Attraktivität steigern. Dass attraktivere Menschen leichter Kontakt knüpfen sei dahingestellt, die Forschung besagt, dass es so ist. Dass sie einfacher einen Partner finden mitnichten.
tusch A01tusch A02tusch A03 tusch A04
Der entscheidende Punkt dabei ist jedoch der, dass der attraktive Mensch durch die gesteigerten optischen Reize eine höhere Aufmerksamkeit erhält, als der weniger attraktive Mensch. Bei einem Menschen mit symmetrischeren Proportionen steigt die Auffälligkeit entsprechend an. Das sagt natürlich nichts über die daraus resultierende Qualität der zwischenmenschlichen Begegnungen aus, aber das soll schließlich nicht Thema dieser Einzelbetrachtung sein. Ich möchte hier darstellen, dass die besonders symmetrische Linie des Menschen eine überdurchschnittliche Attraktivität ergibt. Das hat in unserer Gesellschaft eine höhere Rate der Begegnungen zur Folge, mit der leicht erhöhten Chance, vielleicht dem richtigen Liebsten zu begegnen, ihn zu sehen, auch gefunden zu werden und zusammen den Weg zu gehen.
Wie war es früher: :-)
"Willst Du mit mir gehen?"
Ja  ........................   ◊
Nein  ....................   ◊
Vielleicht  ............   ◊

Sonntag, 26. Oktober 2014

Miteinander - ein Intermezzo (42)

medihi2 jeans hintern   Mies-Vandenbergh-Fotografie
Mies-Vandenbergh-Fotografie
Warum dreht sich so viel um die Äußerlichkeiten der Menschen, und so viel weniger um die eigentlich bedeutsamen Belange unter den Menschen. Wenn mir diese Frage in den Sinn kommt und ich sie an dieser Stelle stelle, so mag der aufmerksame Leser mit berechtigter Verwunderung feststellen, dass ich mich gerade hier den Äußerlichkeiten widme, und die Bedeutsamkeiten dazu noch ausblende.
Doch wie im richtigen Leben sende ich hier einen Ausgleich dazu, nämlich dieses Intermezzo! Beginnen möchte ich dabei mit der Festlegung, was überhaupt zu den Belangen neben, bzw. weit vor dem Äußerlichen zu zählen ist. Worauf kommt es im Leben an?
"Glaube, Liebe, Hoffnung, die Liebe aber ist die größte unter ihnen… ." So stand es neulich in einer älteren Schrift.
Folge ich dem, - und ich behaupte, das tue ich - so wie die meisten Menschen es mehr oder weniger bewußt tun, so finde ich leicht Bedeutsames im Leben. Die Liebe als erstes. Vertrauen, Achtung, Empathie, Fürsorge, Mitmenschlichkeit, ich könnte sicher noch viele Eigenschaften, Empfindungen und Verhaltensweisen finden. Ich möchte mich im Weiteren damit beschäftigen, warum es darauf ankommt, überhaupt so zu sein, mit dieser Vielzahl von überlebenswichtigen "Zutaten" zum Leben ausgestattet zu sein und sie vorzuleben. Erneut von der Voraussetzung ausgehend, dass der Mensch ein zutiefst soziales Wesen ist, und "sozial" gleich den Menschen zu einem kommunikativen Wesen macht, so kommt es letztendlich auf die Form der Kommunikation an.
In den Medien ist  von einer immer weiter zunehmender Egozentrik zu hören. Im Fernsehen lief neulich auf ZDF NEO eine Folge der Sendung "Bambule", die sich mit diesem Phänomen auseinandersetzte. "Warum ist der Mensch immer egoistischer?" Es war zu hören, dass in den allgegenwärtigen Medien immer die Rede von Selbstverwirklichung die Rede ist, frei nach dem Motto: "Tu Dir etwas Gutes". Dieser andauernde Beschuss mit Aufforderungen derart soll mit dazu beitragen, dass die Menschen immer mehr nur an sich selbst denken. Politiker wurden befragt, was sie davon hielten, und diese bestätigten mehr oder weniger diesen Trend, den es jedoch umzukehren gälte.
Diesen Trend zu unterbrechen versuchen immer wieder einige Menschen. Auch in o.g. Sendung wurde darüber berichtet. Ich kann dazu in meinem Biotop wildern. Die Menschen in diesem Umfeld zeigen mir ein Bild, das ich erkennen kann, wenn ich hinsehe. Gefiltert durch meine rosarote Brille komme ich zu Feststellungen, die ich hier als Anregung von mir geben möchte:
Es ist noch nicht alles verloren. Wenn ich auf die Menschen zugehe, ihnen weitergehende Vorschusslorbeeren zugestehe, ihnen offen Vertrauen entgegen bringe, so ist dies ein Weg, auf dem ich gute Erfahrungen gemacht habe. In meiner Kommunikation verhalte ich mich so, dass ich nicht unter der Prämisse des drohenden Verlustes von Gefühlen in mir auf den Anderen zugehe. Ich gehe also vom Guten aus! Selbst, wenn ich manchmal etwas Gutes gegeben habe, eine Hilfe, oder eine Tat, die dann nur genommen wird ohne sie gleich zu erwidern oder weiter zu geben, so meine ich dennoch einen Anstoß gegeben zu haben, Gutes zu tun.
Zurück zur Notwendigkeit der Innerlichkeiten. So, wie unser Äußeres einem stetigen Wandel unterzogen ist, so ist es auch unser Inneres. Es ist für mich schön anzusehen, wenn ein Mensch ein attraktives Äußeres mit sich bringt. Was genau es ist, liegt in meinem Ermessen, ich mag zum Beispiel bei einer Frau viel lieber die verwuselten Haare nach dem Aufstehen als die zurechtgemachte Frisur. Ebenso mag ich auch die offene Frage nach dem Befinden viel lieber als die vorgefertigte Überzeugung in einem Vorurteil verpackt. Was ich damit ausdrücken möchte ist die Tatsache, das dem offenen, fragenden Menschen viel eher Verständnis für Beständigkeiten und vor allem Unbeständigkeiten zukommt, als dem Wesen mit eingemeißelten Richtlinien. Kategorisch sein heißt für mich, ein in Kategorien eingebranntes Denken und Fühlen auf die Vielfalt des Menschen und seiner Gefühle anwenden zu wollen, ohne dass dieser Mensch die Chance bekäme, ein Stück weit er selbst zu sein, so zu sein, wie er ist, geschweige denn als er erkannt zu werden. Offene, von Vorurteilen befreite Kommunikation ermöglicht in meinen Augen überhaupt erst eine Kommunikation. Doch das könnte eine Büchse der Pandora sein. Wir Menschen hätten uns wieder mit dem anderen Wesen in unserer Gemeinschaft zu beschäftigen, wir fänden wohlmöglich eine Bereitschaft in uns wieder, etwas für den anderen Menschen zu tun, obwohl wir dafür keine direkte oder indirekte Gegenleistung erhielten. Diese Veränderung in diesen Innerlichkeiten möchte ich erzeugen. Ziehen wir uns um! Ziehen wir die Kleidung der Offenheit an. Wir veränderun uns optisch ständig weiter, wir altern. Wir verändern uns auch innerlich. Wenn wir reflektieren, können wir weise werden, wenn wir es zulassen. Hängen wir aber dem Bild der Gegenwart nach, so verpassen wir wahrscheinlich den wichtigen Abzweig zum Weg der bewußten Mitmenschlichkeit in unserem Miteinander.
Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung sind für mich dabei nicht die unüberwindbaren Hindernisse auf dem Weg zu mehr Füreinander. Im Gegenteil, ich sehe sie als Stege. Ich meine, dass ein Mensch, der sich selbst gefunden hat, von diesem Ruhepol aus ganz entspannt auf einen anderen Menschen zugehen kann. Er weiß damit, wo er selbst ist, und muß nicht Sorge tragen, von einem anderen Menschen in ein Bild gedrängt zu werden, das ihn nicht wieder gibt. Fällt diese Sorge weg, so kann sich die Beziehung zum anderen Menschen in ihrer Kommunikation dem Inhalt und dem Ziel der Kommunikation selbst widmen, ohne sich um Standortfragen und Befindlichkeiten der eigenen Seele immer im Kreise zu drehen. Wir kommen dann gemeinsam weiter!
Zur eingangs gestellten Frage nach dem Grund der Notwendigkeit mitmenschliche Eigenschaften kann ich resümieren, dass der Mensch als soziales Wesen als solches wahrgenommen, respektiert und vor allem geliebt werden will. Dazu ziehen wir uns schöne Kleidung (Jeans :-) ) an und sind "NETT". Begreifen wir erst, das durch "geben" unsere Bedürfnisse viel eher erfüllt werden, so ändern wir unsere Gesellschaft vielleicht so maßgeblich, dass nicht weiterhin nur Geld zählt.
medihi jeans hintern   Mies-Vandenbergh-Fotografie
Mies-Vandenbergh-Fotografie

Verlauf (41)

kett jeans hintern   Mies Vandenbergh Fotografie
Mies-Vandenbergh-Fotografie
Von der Bedeutung eines Hohlkreuzes
Bei vielen meiner Zeichnungen sowie bei der Betrachtung eines Frauenkörpers - besonders im Profil - bin ich immer wieder auf den besonderen Zusammemhang von Po und Rücken gestoßen. Jean-Luc Hennig schreibt in seinem Buch "Der Hintern": (...) eine vollkommene Rundung des Gesäßes erst durch den konkaven Schwung der unteren Wirbelsäule möglich wird."
Hennig beschreibt hier, was ich in meiner Abhandlung weiter oben mit Linienführung bezeichnete. Sagte man noch in den 1970er Jahren: "Achte auf Deine Linie!"
Der Verlauf vom Rücken zum Po ist für die Form des Hinterns von großer optischer Wirkung, denn ein leichtes Hohlkreuz verstärkt die Rundung des Po in enormen Maße. Nicht die Größe meine ich dabei, sondern die Proportion, die durch den "konkaven Schwung" des Rückens erst gebildet wird.
Ein Körper kann eine Haltung mit einem leichten Hohlkreuz annehmen, oder er ist so geformt. Die Rückpartie des Menschen zeichnet durch den Verlauf der Wirbelsäule und der Kontur des Gesäßes die Form eines "S". So, wie man einen Schwan zeichnet, wie ein "S" oder einen Flußabschnitt mit stark mäanderartiger Windung, so zeichnet die Form des Rückens zum Verlauf über den Hintern hinweg ein "S" mit leichtem Schwung.
Es ist natürlich müßig, über geometrische Formen im Zusammenhang mit dem Körper zu sinnieren, und wer braucht das schon. Im Rahmen meiner kleinen Betrachtung des Po finde ich es dennoch recht amüsant, aber auch informativ. Ohne meine Beobachtungen der Linienführung mit den Berechnungen des "Vitruvianischen Menschen" von Leonardo da Vinci vergleichen zu wollen, möchte ich gleichwohl einen Versuch wagen, diese Körperpartie in der Profilansicht durch die Symmetrie der Kreise zu beschreiben.
Sprach ich oben von der konvexen Form des Pos und der konkaven Form des Rückens, so kann ich diese Formen in ihrer Kreisbahn mit einem bestimmten, aufeinander abgestimmten Radius aufzeichnen:
siehe dazu Zeichnung 1:
image
Kreisbogen 1 soll hier die konkave Linie des Rückens darstellen, natürlich ungeachtet der Tatsache, dass vielleicht aus orthopädischer Sicht ein Hohlkreuz nicht gesundheitsfördernd sein soll, Kreisbogen 2 stellt natürlich den konvexen Verlauf der Form des Hinterns dar. Betrachte ich für mich die Linie, so finde ich sie schon sexy, was natürlich jeder anders empfinden darf und soll.
So gibt es jede Menge verschieden geformter Profile des Menschen. Durch die Dreidimensionalität des Körpers kommen noch die vielen Betrachtungswinkel dazu. Das führt dazu, dass ein und derselbe Körper mannigfaltige Silhuetten erzeugen kann. Dabei kann die eine Ansicht den Körper sehr vorteilhaft aussehen lassen, die nächste jedoch gar nicht mehr - immer unter der Prämisse des momentan als wohlgeformt angesehenen Körpers.
Wie sich die Form in veränderter Linienführung darstellt, ein variierter Umriss sich auf die Attraktivität auswirken kann, das habe ich - grob vereinfacht - in folgender Grafik gezeichnet (wieder mit Zirkel und unterschiedlichen Radien):image
Die unterschiedlichen Längen der Kreisbögen, bzw. der zwei Körperregionen erzeugen deutliche Variationen im Schattenriss, die in meinen Augen die unterschiedlichen Grade von Attraktivität hervorrufen. Dabei kann wiederum bei jedem eine andere Linie die attraktivste sein, wenn ich es mal auf die Linie als einziges Kriterium herunter breche. Das ist deswegen so interessant, weil es gerade diese Linien sind, die für unser Verständnis von Attraktivität verantwortlich zeichnen. Denn anhand der hier wahrnehmbaren Symmetrie des Körpers und den Proportionen legt der Mensch das Maß der Attraktivität schon im Unterbewußtsein fest. (Siehe: "Die Macht des Unbewußten", Sendung des WDR vom 16.10.2012)
Die Mode mit ihrer zunehmend körperbetonten Kleidung ist ein deutlicher optischer Verstärker der Körperproportionen. Verschiedene Wissenschaftler belegten in repräsentativen Studien den Zusammenhang von Körperproportionen und Attraktivität, in denen ein direkter Bezug untereinander bewiesen werden konnte. Durch die Mode der letzten Jahre oder Jahrzehnte wurde die offensichtliche Wahrnehmung der Körperproportionen bei Frauen und Männern erst möglich. Der Siegeszug der Jeans in den 1970er Jahren beispielsweise führte zu einer mehr oder weniger gewollten Vorführung des eigenen Körpers. Sie war eng anliegend und konnte die Figur betonen, unabhängig davon, ob man oder frau eine Figur hatte oder nicht hatte.
Da bis heute ein ungebrochener Trend zum immer schlankeren Frauentypus hin zu verzeichnen ist, soll dementsprechend auch die Kleidung dem Rechnung tragen, indem diese die Schlankheit "beweist". Ob es nun übertrieben wird, mit dem Schlankheitswahn, das soll jeder für sich selbst, für seine Gesellschaft, in der er oder sie leben möchte, gerne leben möchte, entscheiden und vorleben. Ich möchte dazu feststellen, dass ich mir eine Partnerin vorstelle, die nicht zu dünn ist und nicht zu dick ist. Eine Aussage, die alles und nichts aussagen kann, vielleicht als Beispiel für eine Figur(Mensch), die mir gefällt: meine Frau! und sonst: Brigitte Bardot vielleicht oder Estella Warren.
Zurück zu den Linien. Ich möchte, wie erwähnt, nicht den Menschen auf eine Linie begrenzen. Ich beabsichtige eine Aufzeichnung der Entwicklung der Körperformen, die im Laufe der Zeit getrieben von Mode zu Mode ihre Hochzeiten und Niedergänge erlebten. Ganz besonderes Augenmerk dabei lege ich natürlich auf den Hintern, der, wie der ganze Körper, ja der ganze Mensch, Teil dieser Entwicklung ist. Mal hervorgehoben, mal versteckt, dann wieder betont, steht er da und ich möchte, weil ich ihn schön finde, wenn ich ihn schön finde, beschreiben und abbilden. Die Linie ist damit ein wesentlicher Bestandteil dieser Untersuchung.
Wenn ein Mensch am anderen vorrüber geht, so wechseln die Ansichten sehr schnell. Wir sehen bei der momentan körperbetonten Kleidung die Linien, welche die Kleidung aus dem Menschen herausformt. Kann man sich heute zwar nicht mehr sicher sein, ob der Mensch ohne diese Bekleidung immer noch diese Linie hätte, so ist dieses Abbild des oder der jenigen doch authentisch. Schließlich möchte sich der Mensch, wenn er die Kleidung selbst bewußt ausgewählt hat, ein Stück weit so betrachtet wissen. Meint er doch meist, dass er so, wie er dann im Moment aussieht, das Beste aus sich gemacht habe.
Kleidungsstücke waren schon immer dazu da, den Körper in bestimmter Art und Weise zu formen. Eine Vorstellung von einer Figur ließ sich schon immer aus einer genau definierten Mode herausarbeiten, nur das Rezept brauchte der Mensch dazu. Frauen sind in der heutigen Zeit viel stärker darin eingebunden, als Männer es sind. Schließlich gelten sie im Moment als das schöne Geschlecht, was aber nicht immer in der Geschichte so war. Das ist aber ein anderes Thema.
Eine Linie der Körperkontur ist abhängig von der Kleidung. Enge Kleidung vorausgesetzt formt diese Kleidung unseren Körper. Ist eine Hose an den Oberschenkeln beispielsweise etwas enger geschnitten, so erscheinen die Beine schlanker und der Hintern etwas größer. Die Figur ist - jenseits von chirurgischen Veränderungen - immer von modischen Tendenzen beeinflusst worden. Mal war die Hose weit geschnitten, mal eng. Die Linie war mal deutlicher zu erkennen, mal nicht. Heute ist die Jeans - als enge Form - ein sehr körperbetontes Kleidungsstück, welche die Körperform mit all ihren Fehlern und Vorzügen deutlich hervorhebt. Schlank ist in unserer Epoche der Inbegriff für Schönheit. So wird die schlanke Linie durch die enge Hose unterstrichen oder eigentlich erst jenseits vom Nacktsein sichtbar gemacht.
Mies Vandenbergh Fotografie
Mies-Vandenbergh-Fotografie